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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Aristoteles, Nikomachische Ethik.

Viertes Kapitel.

1. Die Großgesinntheit hat es also, wie gesagt, mit Ehrehohen Grades zu thun. Nun scheint es aber, daß es auch im Be-reiche der Ehre eine Art von Tugend gibt, wie bereits in den erstenVorträgen gesagt wurde von der^man'füglichffagen kann,' daß siezu der Großsinnigkeit so ziemlich in demselben Verhältnisse steht,wie dort die Freigebigkeit (Liberalität) zu der edlen Großprächtig-keit. Beide nämlich, sowohl die Liberalität als die hier gemeinteTugend, halten sich von dem Bereiche des Großen fern und setzenuns dagegen in betreff der gewöhnlichen und geringfügigen Dingeund Verhältnisse in die richtige Disposition.

2. Wie es nun also beim Nehmen und Ausgeben von Geldund Geldeswert ein Mittelmaß und ein Zuviel und ein Zuweniggibt, so gibt es auch beim Begehren nach Ehre ein Mehr oderWeniger, als recht ist, und eine Berücksichtigung des Woher unddes Wie. 3. Denn den Ehrbegierigen tadeln^ wir als einenMenschen, der mehr, als recht ist, und für Dinge, für welche esnicht recht ist, nach der Ehre begehrt, den Ehrgeizlosen dagegenals einen Menschen, der nicht einmal darauf gerichtet ist, sich wegenschöner Thaten Ehre zu erwerben. 4. In manchen Fällen da-gegen brauchen wir die Bezeichnungen ehrbegierig und ehrgeiz-los wieder als ein Lob, nennen ehrbegierig einen mannhaften unddas Schöne (Edle) liebenden, und ehrgeizlos einen bescheidenenund maßvollen Menschen, wie ich das auch bereits in den ersten

vom christlichen Standpunkte vergebens versucht, diese großartigste Schätzungund Schilderung menschlicher Großsinnigkeit anzufechten. Die Geschichteder Menschheit und alle großen Menschen in ihr hält sie aufrecht und be-stätigt die Lehre des Denkers von Stagi'ra, der hier, ohne es zu wollen,sich selbst geschildert hat.

1. S. oben Buch II, Kap. 7, § 8. Die Art und^Weise,Z)vie hierAristoteles, auf Früheres zurückweisend, sich ausdrückt, spricht deutlich fürden Charakter von Vorlesungen, nicht von einem Buche.

2. D. h. wir brauchen das Wortehrbegierig" (PiX6rlp.oc) bald imtadelnden Sinne, bald (s. § 4) im lobenden.