Viertes Buch. Drittes Kapitel.
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sich dessen, was er wert ist, und erscheint in dem Lichte eines Men-schen, der etwas Schlechtes an sich hat, weil er sich selbst nicht desGuten, das ihm zukommt, würdig schätzt; auch beweist er, daß erselbst nicht weiß, wer er ist, denn sonst würde er Verlangen tragennach den Dingen, deren er würdig ist, da es ja Güter sind. ImLeben gelten nun zwar solche Leute nicht für Tröpfe, sondern viel-mehr für Zaghafte.^ Allein eine solche Meinung von ihnen magnichtsdestoweniger dazu beitragen, sie noch tiefer herabzubringen.Denn (sagt man) jeder strebt doch nach dem, was ihm zukommt,sie aber halten sich auch von den Thaten und Bestrebungen, welcheschön sind, zurück, als ob sie dazu nicht berechtigt wären, undebenso von allen äußeren Gütern.
36. Die Aufgeblasenen dagegen sind wirklich Tröpfe undMenschen, die über sich selbst in Unwissenheit sind, und zwar ineklatanter Weise. Denn in der falschen Meinung, daß ihnen dasgebühre, drängen sie sich zu allen Auszeichnungen und fallen dannletztlich durch. Sie putzen sich aus in Kleidung und Haltung unddergleichen und sind darauf versessen, daß ihre guten Glücksumständevor aller Welt Augen sichtbar werden, und reden von und übersich, in der Meinung und Absicht, durch dieses alles geehrt zu wer-den. — 37. Als Gegensatz stellt man der Großgesinntheit vielmehrdie Kleingesinntheit gegenüber, als die Aufgeblasenheit, denn jenekommt häufiger vor und ist ein schlimmerer Fehler.^
26. Die Lesart vieler Handschriften voegol (statt öx^poO, wasBekkerbeibehalten hat, ist nach Pietro Vettori's Auseinandersetzung gewißdie richtige. Das Wort bezeichnet diese „Kleingefinnten" als Menschen,die vor lauter ängstlichem Reflektieren über sich nie zu einer Selbstgewißheitüber sich und die Dinge kommen. Sie sind die „von des GedankensBlässe angekränkelten", und Shakespeare's Hamlet ist nach einer Seite einrichtiger »oegö? — ein sich selbst unterschätzender Grübler.
27. Weil das Korrektiv für sie schwieriger ist, als für die Aufgeblasen-heit. Denn der Aufgeblasene wird fast immer überführt, daß er ein eitlerNarr ist, oder kann doch leicht überführt werden. Schwerer dagegen istes, einen Menschen zu der Einsicht zu bringen, daß er sich zu wenig zu-traue, sich zu gering anschlage. — Dieses ganze Kapitel ist eins der herr-lichsten in der Aristotelischen Ethik, ein wahrer Edelstein in dem Kunst-werke seiner Seelenkunde und Morallehre. Alte und neue Ausleger haben