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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Aristoteles, Nikomachische Ethik.

wird letztlich der, welcher ihm etwas geleistet hat, sein Schuldnerund er selbst der wahre Wohlthäter sein.

25. Auch gelten sie für Leute, welche ein gutes Gedächtnishaben für die, welchen sie wohlgethan haben, dagegen für die, vonwelchen sie Wohlthaten empfangen haben, nicht. Denn der Em-pfänger einer Wohlthat steht immer etwas unter dem, der ihmwohlgethan hat, und der Großsinnige ist doch darauf gestellt, überandere erhaben zu sein. Darum hört er sich auch an jenes gern, andieses dagegen ungern erinnern. Deshalb, meint man, zähle auch(bei Home'r) die The'tis gegen Zeus nicht die Wohlthaten auf, diesie ihm erwiesen"; und ebenso erwähnten auch die Lakedämo'nierden Athenern gegenüber nicht ihrer denselben geleisteten Dienste,sondern nur der von ihnen empfangenen Wohlthaten.^

26. Zum Charakter des Großgesinnten gehört es ferner, daßer niemand, oder doch nur sehr ungern, in Anspruch nimmt, wäh-rend er selbst dagegen stets zum Diensteleisten bereit ist; ferner,daß er gegen die Hochangesehenen und in glücklichen UmständenBefindlichen hochgemut auftritt, während er Leute mittlerenStandes freundlich als seinesgleichen behandelt; denn über jenehervorzuragen ist schwer und seiner Würde gemäß, über diese leicht;und jenen seine Würde bemerklich zu machen ist nichts Unedles,während das gleiche Geringen gegenüber zu thun, von gemeiner

17. Achill bei Homer (Ilias 1,394ff.) will, daß'seine Mutter Thetisdem Zeus die großen Dienste, die sie ihm geleistet und die er daselbst auf-zählt (V. 395407) ins Gedächtnis rufe, um ihn dadurch zu bewegen,ihres Sohnes verletzte Ehre zu rächen. Aber die klügere Mutter geht beiihrer Zusammenkunft mit dem höchsten Gotte über diesen Punkt mit'be-scheibener Andeutung hinweg (I, 503) und legt das Hauptgewicht auf Zeus'Macht und Gerechtigkeit, die nicht zulafsen würden, daßsie allein ver-achtet unter den Göttinnen dastehe".

18. Dies bezieht sich, wie Aspa'sios bemerkt, auf eine Gesandtschaftder Lakedämonier an die Athener, welche deren Hilfe gegen die Thebanerin Anspruch nehmen sollte, und dabei in der hier bezeichnten Weise ver-fuhr. So erzählt ein Schüler des Aristoteles, sein Neffe Kalli'sthenes(s. Ad. Stahr, Aristoteli'a, T. I, 101-106; 121-130), in seinerHel-tenischen Geschichte" in zehn Büchern, welche die Jahre 390356v. Christo umfaßte und aus der Aristoteles diesen Zug entnahm.