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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Aristoteles, Nikomachische Ethik.

gleichgiltig sein, denn solche Ehrenbezeigungen sind seiner nichtwürdig. Ebenso werden ihn auch Schimpfbezeigungen gleichgiltiglassen, denn von solchen wird überhaupt ihm gegenüber nie mitRecht die Rede sein können.

18. Also der hauptsächliche Gegenstand, wie gesagt, mit demes der Großgesinnte zu thun hat, sind Ehrenbezeigungen. Damitist jedoch nicht ausgeschlossen, daß er sich auch da, wo es sich umReichtum, Herrschermacht und überhaupt um äußeres Glück oderUnglück handelt, wie sein Los auch fallen möge, maßvoll verhaltenwird und weder beim Glück in seiner Freude, noch beim Unglückin seiner Betrübnis das Maß überschreiten wird, ist doch selbstsein Verhältnis zur Ehre nicht ein solches, daß er sie für ein ab-solut Höchstes hielte; denn alle Herrschergewalt und aller Reich-tum sind eben nur, weilsie Ehren gewähren, wünschenswerte Dinge,und so wollen denn auch die, welche sich im Besitze derselben be-finden, um derselben willen geehrt werden. Ein Mann nun aber,in dessen Augen, wie wir sahen, selbst Ehre nur etwas Geringesist, für den muß auch alles andere nur geringen Wert haben,darum gelten denn auch die Großgesinnten für Hochmütige."

Kap. 19. Nach der allgemeinen Ansicht hält man dafür, daß aber^ auch die äußeren glücklichen Umstände zur Großgesinntheit bei-tragen. Denn die, welche von edlem Geschlechts stammen, und die,welche im Besitz von Herrschermacht oder von Reichtum sind, geltenfür Leute, welche Anspruch auf Ehre haben. Denn sie befindensich in einer Lage, welche sie über andere erhebt, und jedes Dingoder Wesen, was durch ein Gut sich in solcher über andere er-habener Lage befindet, ist um so viel geehrter, als es eben überandere erhaben ist, und so bewirken denn auch Glücksgüter solcherArt, daß die, welche sie besitzen, sich großsinniger dünken, weilihnen nämlich von manchen Leuten Ehre gezollt wird. In Wahr-heit jedoch ist es nur der Tugendhafte (der Gute) allein, dem Ehre

13. Der griechische Ausdruck ÜTrepönr^; (wörtlich: Überseher), mitdem die Menschen gemeiniglich den Großstnnigen zu bezeichnen pflegen(Soxei), bedeutet einen Menschen, der über Dinge hinwegsieht, die denBlick der gewöhnlichen Menschen zauberhaft fesseln.