Viertes Buch. Drittes Kapitel.
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diese Betrachtung weiter in Bezug auf die einzelnen Tugenden^verfolgen, so würde sich ergeben, daß der Großgesinnte als eindurchaus lächerliches Wesen erscheinen müßte, wenn er nicht zu-gleich dabei auch ein sittlich guter Mensch wäre. Er würde ja auchnicht einmal Ehre verdienen, wenn er ein Schlechter wäre. Denndie Tugend ist es ja, deren Kampfpreis die Ehre ist?; und die,denen sie zuerkannt wird, sind die Guten.
16 . Somit erscheint die Großgesinntheit so zu sagenals krönender Schmuck aller anderen Tugenden; denn siemacht dieselben größer und ist andrerseits doch wieder selbst nichtdenkbar ohne jene. Darum ist es schwer, in Wahrheit^ einGroßgesinnter zu sein; denn es ist unmöglich ohne dieTotalität aller Tugenden?
17. Also, wie gesagt, Ehrenbezeigungen und deren Gegen-teil sind es hauptsächlich, mit denen es der Großgesinnte zu thunhat, und zwar wird er über solche Ehrenbezeigungen, welche ihmbei großen Anlässenund zwar von tüchtigen Männern" dar-gebracht werden, jene maßvolle Freude empfinden, die aus demBewußtsein hervorgeht, daß ihm dieselben gebühren oder selbstnoch hinter seinem Verdienste Zurückbleiben, — denn für die voll-kommene Tugend kann es nicht wohl eine ihr entsprechende Ehregeben, — allein auch solche^ wird er sich gefallen lassen, im Hin-blick darauf, daß die, welche sie ihm bieten, ihm nichts anderesdarzubringen haben. Dagegen die Ehre, welche ihm Hinz undKunz erweisen und bei geringfügigen Anlässen, wird ihm völlig
6. Außer den beiden bereits angeführten, Tapferkeit und Gerechtigkeit.
7. S. oben § 9.
8. D. h. in der vollen und wahren Bedeutung des Worts.
9. Oder wie Aristoteles sagt: ohneKalokagathi'e. Vgl. Aristo'teles,Eude'mische Ethik VII, 15; Große Ethik II, 9. Vgl. unten X, Kap. 9, § 3.
10. Es ist gar keine Frage, daß hier inl und nicht inl
zu lesen ist, wie schon Schweighäuser und Korai's gethanhaben. Nur bei großen Anlässen, d. h. für große Thaten, will derGroßgesinnte geehrt sein, nicht für kleine, wie Aristoteles ausdrücklichweiterhin sagt.
11. Es ist das 1o.ucks.ri s Is.ucks.to viro des alten römischen Dich-ters Nä'vius.
12. Die seinem Verdienste nicht entsprechen.
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