Druckschrift 
1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
Entstehung
Seite
130
Einzelbild herunterladen
 

130

Aristoteles, Nikomachische Ethik.

lichen Personen Verlangen tragen und was als Siegerlohn fürdie schönsten Thaten gilt. Solch ein Ding ist nun die Ehre(der Ruhm), denn sie ist offenbar das größte aller äußeren Güter?Die verschiedenen Arten der Ehre und Schande also sind es, aufderen Gebiete sich der Hochsinnige verhält, wie er muß. 11. Ja,es leuchtet ohne weiteres Philosophieren ein, daß die Großgesinn-ten es mit der Ehre zu thun haben, denn die Ehre ist es, auf diealle großen Menschen Anspruch erheben, nur daß es nach richtigemVerhältnis ihres Wertes und ihrer Würdigkeit geschieht.

1213. Der Kleingesinnte aber bleibt zurück hinter demRichtigen, ebensowohl in Bezug auf seine eigene Person, als auchin Bezug auf die Dignität des Großgesinnten? Der eitel Aufge-blasene dagegen überschreitet einerseits das Maß des Richtigen inBezug auf seine Person, ohne doch darum über den Großgesinntenhinauskommen zu können. 14. Der Großgesinnte wird also im-mer, da er ja eben wirklich des Größten würdig ist, der beste sein;denn immer ist eines Größeren der Bessere würdig, des Größten alsoauch der Beste. Daraus folgt also, daß der wahrhaft Großgesinntenotwendig gut sein muß, und man kann auch wohl als allgemeingeltende Ansicht annehmen, daß das in jeder Tugend Große zumWesen des Großgesinnten gehört; 15. und so dürfte es denn z. B.auch wohl in keiner Weise mit dem Charakter des Großgesinntenstimmen, Hals über Kopf die Flucht zu ergreifen, und ebensowenig,Unrecht zu thun. Denn aus welchemBeweggrunde wird der Niedrigehandeln, in dessen Augen nichts groß erscheint? ^ Und wollte man

3. Wörtlich übersetzt von keinem geringem, als von unsermSchiller:

Von des Lebens Gütern allenIst der Ruhm das höchste doch!

Wenn der Leib in Staub zerfallen,

Lebt der große Name noch.

Die Ehre nennt ein griechischer Sto'iker dasEhrengeschenk" der

Tugend. S. Stobä'us, Florile'gium II, I, S. 208. Vgl. unten K 15.

4. D. h. hinter der Würde, mit der unter seinen Umständen ein Groß-gesinnter fühlen und handeln würde. Garve.

5. D. h. für den sich alles Große und Schöne des Handelns vonselbst versteht.