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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Aristoteles, Nikomachische Ethik.

lichst geringen Kostenaufwands thun könne, und wird dabei immernoch über den gemachten Aufwand jammern und bei allem glauben,daß er doch eigentlich mehr thue, als er nötig habe. Diesebeiden Handlungsweisen sind nun in der That Laster, nur daß sienicht geradezu den damit Behafteten Schande bringen, weil sie dochihren Nebenmenschen nicht groß schaden und nicht allzusehr dasallgemeine Sittlichkeitsgefühl beleidigen.

Drittes Kapitel.

1. Was die Großgesinntheit betrifft so sehen wir schonaus der sprachlichen Bezeichnung selbst, daß sie sich auf große Dingebezieht; betrachten wir also zuerst, welcher Art von (großen) Dingendies sind.

2^3. Es macht dabei durchaus keinen Unterschied, ob wirdiese Eigenschaft (Habitus) selbst oder den Menschen beschreiben,der sie hat. Allgemein gilt für großgesinnt derjenige, welcher sichgroßer Dinge wert hält und ein Recht dazu hat, dies zu thun;denn wer es ohne dieses Recht thut, ist ein Narr, und wo wir vonLeuten sprechen, die eine Tugend besitzen, da sprechen wir nicht vonNarren und Unvernünftigen.

- 45. Der Hochsinnige ist also ein Mann, der so denkt undempfindet, wie ich gesagt habe. Denn der, welcher zwar auch An-sprüche und Verdienste, aber kleine hat und dieser sich wert hält,heißt und ist ein besonnen Selbstbewußter, großsinnig aber nicht;denn die Großgesinntheit bewegt und zeigt sich in großen Verhält-nissen, wie ja auch die ideale Schönheit sich nur in einem großen

I.Bei den bisher entwickelten Tugenden zeigten sich diejenigenTriebe wirksam, welche sich offenbarten, teils in dein Streben nach Lustund in dem Fliehen der Unlust, teils in dein Streben nach Besitz undReichtum. Es bleibt nun noch übrig der Trieb, der die Menschen danachstreben macht, seine Persönlichkeit von andern anerkannt zusehen. Diesem Triebe entspricht die Tugend derMegalopsychi'e",d. h. derHochgesinntheit (Großgesinntheit, Hochsinn, Groß- und Hoch-herzigkeit).