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Aristoteles, Nikomachische Ethik.
Nehmen, so findet sie sich doch nicht bei allen Knausern in dieser >ihrer Vollständigkeit, sondern sie erscheint zuweilen getrennt, und esgibt Knauser, welche im Nehmen zuviel thun, und wieder andere,welche im Geben zu wenig thun. — 39. So z. B. alle die, welchezu der Kategorie der sogenannten „Schabhälse", „Filze", „Knicker"gehören", sind sämtlich Leute, die im Geben zu wenig thun, wäh-rend sie dagegen keine Begierde nach fremdem Gute hegen, auchnicht den Willen haben, dasselbe zu nehmen. Bei manchen ist derGrund dieser Enthaltsamkeit eine Art von Billigkeitsgefühl oderScheu vor schlechten Handlungen. Das sind solche, von denen manglaubt oder die wenigstens selbst behaupten: sie hielten das Ihrigenur darum zusammen, damit sie nicht etwa irgend einmal in denFall kämen, notgedrungen etwas Schlechtes zu thun; von dieserArt sind auch der sogenannte „Kümmelspalter" "und seinesgleichensder seinen Namen hat von dem Übermaße des Geizes, der keinemMenschen etwas geben möchtej." Andere dagegen enthalten sichfremden Gutes aus Furcht, weil sie sich sagen: „Wenn ich anderendas Ihrige nehme, so ist es nicht leicht zu bewerkstelligen, daß mirandere nicht ebenfalls das Meinige nehmen." Sie bleiben daherbei dem Grundsätze, weder zu nehmen, noch zu geben.
40. Dahingegen 2 ° eine andere Klasse, die wieder im Nehmenzuviel thut, thut dies dadurch, daß sie von überall her und allesnimmt; dahin gehören z. B. diejenigen, welche eines freien und
17. Hier, wie überall, sehen wir Aristoteles die in dem Sprachgebrauchsliegende vox po'puli und deren sittliches Urteil bei diesen populärenUntersuchungen über das Sittliche und Unsittliche menschlichen Thuns eifrigberücksichtigen.
18. Ein Spottwort für einen Knauser, dem damit nachgesagt wird,daß er selbst ein Kümmelkorn in zwei Teile spaltet und ein Kresseblattzerschneidet: Vergl. Aristo'phanes, Wespen 1368. Theokri't X, 55ruft ein Schnitter dem andern zu, den er als Knauser bezeichnen will:
„Schneide dich nicht in die Hand, indem du spaltest den Kümmel!"
19. Ich halte diese Worte für ein späteres, durchaus müßiges Ein-schiebsel zur Erklärung des Wortes „Kümmelspalter", das Aristotelesseinen Zuhörern und Lesern nicht zu erklären brauchte.
20. Das ist die zweite Klasse, die im Gegensatz gegen die erste § 39behandelte gestellt wird.