Viertes Buch. Erstes Kapitel.
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sie ohne viel Bedenken, und woher es sein mag, nehmen, liegt darin,daß sie sich um das sittlich Schöne nicht kümmern. Ihr Verlangengeht nur darauf, zu geben: wie? oder mit welchen Mitteln? das istihnen gleichgiltig. — 35. Darum sind denn auch ihre Gaben nichtGaben der Freigebigkeit, weil sie nicht schön sind, nicht das Schönezum Zwecke haben" oder eine sittliche Pflicht erfüllen, vielmehrnicht selten solche Menschen bereichern, die von Rechts wegen armsein und bleiben sollten; auch kann man sicher sein, daß sie Men-schen von bravem und redlichem Charakter nichts geben, dagegenfür Schmeichler oder Leute, die ihnen sonstwie Vergnügen machen,offene Hand haben. Daher sind auch die meisten Verschwenderliederlich ausschweifende Gesellen; denn da sie zum Geldausgebenleicht bei der Hand sind, so wenden sie auch viel auf Befriedigungihrer Lüste, und weil nicht Rücksicht auf das Schöne ihr Lebenleitet, so fallen sie den sinnlichen Genüssen in die Arme.
36. Das also ist das Ende, welches der Verschwender nimmt,wenn er keine ordentliche Erziehung erhält; wird ihm dagegen einesorgfältige Leitung zu teil, so kann er sehr wohl zu dem richtigenZiele der Tugend und dessen, was sein soll, gelangen."
37. Dahingegen ist die Knauserei unheilbar. Denn allgemeingilt dafür, daß das Alter und überhaupt Schwäche aller Art denMenschen knauserig macht." Auch ist sie von Natur enger mitdem Wesen des Menschen verbunden, als die Verschwendung, dennes gibt bei weitem mehr Menschen, die das Geld lieben, als solche,die es gern weggeben. — 38. Auch hat sie einen weiten Umfangund schließt viele Formen in sich. Denn man nimmt allgemein an,daß es viele Arten von Knauserei gibt. Während sie nämlich sichin zwei Dingen zeigt, im ungenügenden Geben und im übermäßigen
>4. Die ästhetische Auffassung des Sittlichen, als eines Schönen, insich Harmonischen, Ebenmäßigen, Wohlgeordneten, teilt Aristoteles mitPlato, dessen Phile'bus hier verglichen werden mag, z. B. S. 64 s. S.Nieländer, a. a. O. L>. 9.
15. D. h. ein „Freigebiger" im Sinne wirklicher Tugend werden. S.oben § 31.
16. Während umgekehrt Alter und Mangel den Verschwender korrigierenS. oben § 31.