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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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118 Aristoteles, Nikomachische Ethik. ! ^

31. Denn ein solcher Verschwender^ darf mit Recht für bei weitem >besser gelten, als der gemeine Knauser. Denn einmal ist er vonseinem Fehler leicht heilbar, sei es durch zunehmendes Alters seies durch eigenen Mangel, und sodann ist bei ihm die Möglichkeit,zur richtigen Mitte zu kommen. Er hat ja nämlich schon das, waszum freigebigen Manne gehört: er gibt, ohne zu nehmen, nur daßer weder das eine, noch das andere so thut, wie es sich gehört und *wie es schön und richtig ist. Wenn er also dies noch durch Ge-wöhnung lernt oder sonstwie dahin umgewandelt wird, so ist derwahrhaft Freigebige fertig, als welcher er nur denen geben wird,denen zu geben sich gebührt, und nicht von daher nehmen, von wo-her es sich nicht gebührt. Darum gilt er auch in der öffentlichenMeinung nicht für böse von Charakter, denn das Übermaß imGeben und Nichtnehmen zeugt von keiner schlechten und gemeinenGesinnung, sondern nur von Thorheit. 32. Und so gilt dennallgemein ein solcher Verschwender aus den angegebenen Grün-den für einen viel besseren Menschen, als der gemeine Knauser,einmal aus den angegebenen Gründen und zweitens, weil er vielenMenschen Gutes erweist, dieser aber keinem einzigen, ja nicht ein-mal sich selber.

33. Allein die meisten Verschwender nehmen auch zugleichwoher sie nicht sollten und sind in diesem Betrachte illiberal.

Sie werden aber zum unbedenklichen Nehmen geneigt dadurch, daßsie immer Lust haben auszugeben und doch nicht im stände sind, ihreHand immer gefüllt zu halten, weil ihnen ihr eigenes Vermögenbald davon geht und sie somit gezwungen werden, sich andere Hilfs-quellen zu öffnen. 34. Ein zweiter Grund, der es macht, daß

12. Ein liberaler Verschwender. Dasdenn" (Lnel) dieses Satzes ist,wie immer, kausal; es fügt hier etwas hinzu, was den am Anfänge desParagraphen ausgesprochenen Satz erklärt. (Man vergl. besonders §33.)Aristoteles will sagen: die beiden Momente des Verschwenders: liberalesGeben und edelherziges Enthalten von nicht richtigen: Nehmen finden sichnur selten beisammen vereint. Denn wo sie beisammen sind, hat esmit dem Verschwenden bald ein Ende, und der Verschwender dieserArt hat alle Aussicht, sehr bald auf den richtigen Weg, auf das Mittel-maß, die wahre in ihm liegende Tugend zurückgebracht zu werden.

13. Vgl. Rhetorik II, Kap. 13.