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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Aristoteles, Nikomachische Ethik.

ist unmöglich, daß einer reich wird, der aus das Erwerben nichtSorge verwendet, wie das ja auch hinsichtlich der Erwerbung alleranderen Güter derselbe Fall ist.

22. Dessenungeachtet wird der Freigebige aber doch nichtPersonen geben, denen er nicht geben sollte, und nicht zu einerZeit, wo er nicht sollte, und was dergleichen Bestimmungen mehrsind. Denn da wäre sein Handeln nicht mehr der Tugend der Frei-gebigkeit gemäß, und er würde sich durch solchen ungehörigen Auf-wand die Mittel entziehen, am rechten Orte zu geben. 23. Dennwie gesagt worden, ist der freigebig, der bei seinem Aufwands imGeben seine Mittel und das, wofür er sie verwendet, in Betrachtzieht^; wer dagegen hier das Maß überschreitet, ist Verschwender.Daher pflegen wir auch unumschränkte Herrscher (Tyrannen) nichtVerschwender zu nennen, weil man allgemein annimmt, daß ihrBesitz von solcher Massenhaftigkeit ist, daß es nicht leicht ist, dasMaß desselben durch ihre Ausgaben und ihren Aufwand zu über-steigen?

24. Da nun also die Tugend der Freigebigkeit ein Mittel-maß ist im Geben und Nehmen von Geld und Gut, so wird derFreigebige einerseits im Aus- und Aufwenden immer die schick-lichen Gegenstände und das schickliche Maß im Kleinen wie imGroßen in Betracht ziehen, und zwar wird er, was er thut, gernund mit Vergnügen thun; andererseits wird er aber auch beim Ein-nehmen in Bezug auf das Woher und Wieviel dasselbe beobachten.Denn da seine Tugend ein Mittelmaß in Bezug auf beides ist, sowird er beides üben, wie sich's gebührt. Denn mit dem richtigenund gebührenden Geben ist auch ein ebensolches Nehmen überein-stimmend, ein nicht solches dagegen ist ihm widerstreitend. Nunpflegen aber übereinstimmende Eigenschaften in einem und dem-selben Subjekt sich zusammenzufinden, die widerstreitenden dagegenkönnen dies offenbar nicht.

25. Passiert es ihm jedoch, daß er einmal in seinem Aufwandsdie Schranken des Geziemenden und sittlich Schönen überschreitet,

6. S. oben § 19.

7. Noch heute ist das Volk geneigt, die Kasse einesKönigs" fürunerschöpflich zu halten.