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Kap.
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Bekk.
Aristoteles, Nikomachische Ethik.
der Dank wird nur dem zu teil, der da gibt, nicht dem, der nimmt,und dies gilt noch in höherem Grade von dem Lobe. — 9 — 10. Fer-ner ist es leichter, nicht zu nehmen, als zu geben; denn die Men-schen sind weit weniger geneigt, ihr Eigentum hinzugeben, alsfremdes Gut nicht zu nehmen. — II. Und so nennt denn auch dieSprache freigebig nur die, welche geben, während dagegen die,welche etwas nicht nehmen, nicht wegen ihrer Freigebigkeit Lobempfangen, wenngleich man sie nichtsdestoweniger wegen ihrerGerechtigkeit lobt. Denjenigen hingegen, welche nehmen, wirdüberhaupt kein Lob gespendet.
Was aber das Geliebtwerden angeht, so ist wohl kaum eineTugend, um derentwillen Menschen so geliebt werden, als dieFreigebigen. Denn sie gewähren Nutzen, und das setzt ein Gebenvoraus.
12. Alle tugendhaften Handlungen sind schöne, und dasSchöne ist ihr Zweck. Der Freigebige wird also gleichfalls gebenum des Schönen willen und auf die richtige Weise, d. h. den Per-sonen, denen es sich ziemt, und soviel als sich gebührt und wannes sich gebührt und überhaupt mit und unter allen Bedingungendes richtigen Gebens. — 13. Und zwar wird er es gern oder dochohne Mißempfindung thun; denn das tugendgemäße Thun ist an-genehm oder doch ohne Mißempfindung und jedenfalls in keinerArt Schmerz verursachend.
14. Wer aber gibt den Personen, denen er nicht geben sollte,und nicht um des Schönen willen, sondern aus irgend welchemandern Grunde, der wird nicht freigebig, sondern er wird sonstwieanders geheißen werden dürfen, und ebensowenig wer ungerngibt, — denn wer so gibt, der möchte sicherlich lieber den Besitzdes Geldes der schönen Handlung vorziehen; das aber thut derFreigebige nicht.
15 —16. Ebensowenig wird derselbe nicht da nehmen, wo ernicht soll, denn ein solches Nehmen liegt ja nicht in dem Charaktereines Menschen, der keinen großen Wert auf Geld und Gut legt.Ebensowenig wird er geneigt sein, andere um etwas anzusprechen,denn es liegt nicht im Wesen und Charakter eines Menschen, deranderen gern Gutes thut, im Annehmen von Wohlthaten leicht bei