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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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109
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Drittes Buch. Zwölftes Kapitel.

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Unempfindlichkeit liegt nicht in der Menschennatur. Unterscheidendoch selbst die Tiere ihre verschiedenen Nahrungsmittel und fressendie einen gern, die anderen nicht gern. Gäbe es einen Menschen,für den gar nichts ein Genuß wäre und für den ein sinnlicher Ein-druck von dem andern keinen Unterschied machte, so wäre sicherlichein solcher weit davon entfernt, ein Mensch zu sein. Ein solchesWesen hat aber auch in der Sprache keine Bezeichnung gefunden,weil es eben schwerlich vorkommt.

8. Der Mäßige endlich ist derjenige, welcher zwischen diesenExtremen die Mitte hält. Er hat nämlich weder seine Lust an sol-chen Dingen, an denen sie vorzugsweise der Unmäßige hat, die-selben sind ihm vielmehr ein Gegenstand des Widerwillens nochüberhaupt an unerlaubten Dingen, und auch bei den erlaubten ister niemals ausgelassen in seiner Freude, er wird nicht betrübt,wenn sie ihm fehlen, und fühlt kein oder doch nur ein mäßigesVerlangen nach ihnen, seine Begierde überschreitet nie die Grenzendes Erlaubten, regt sich nie zur Unrechten Zeit, kurz läßt sich inkeiner dieser und dergleichen Rücksichten etwas Ungehöriges zuSchulden kommen. Alles dagegen, was zur Gesundheit und ge-hörigen Leibespflege gehört und dabei angenehm ist, danach wirder in mäßiger und schicklicher Weise verlangen und so auch nachallen anderenGenüssen, sofern siejenen beiden erstgcnanntenDingen^nicht hinderlich oder nicht sittlich unschön oder seine Vermögens-verhältnisse übersteigend sind. Denn wer diese letzterenBedingungennicht berücksichtigt, der liebt solche Genüsse mehr als sie wert sind;so aber handelt der Mäßige nicht, sondern er folgt immer demGebote der richtigen Vernunft.

Zwölftes Kapitel.

Was nun den Begriff der Freiwilligkeit anlangt, so erscheintdie Unmäßigkeit in höherem Grade als freiwillig, als die Feigheit;denn die Ursache der elfteren ist Lust, die der andern Schmerz, und

2. Der Gesundheit und dem Wohlbefinden.