Drittes Buch. Zehntes Kapitel.
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dieser Art von Genuß ein richtiges Maß und ein Zuviel und Zu-wenig geben? — 4. Gleiche Bewandtnis hat es mit den Gegen-ständen des Gehörs, denn Leute, welche übermäßiges Vergnügenan Musik oder Schauspielvortrag haben, nennt niemand Unmäßige,sowenig wie man die, welche darin das richtige Maß halten.Mäßige nennt. — 5. Auch nennt man so nicht die Liebhaber vonGeruchgenüssen, außer wenn damit irgendwelcher zufällige Neben-umstand verbunden ist; denn die, welche an dem Gerüche vonFrüchten, Rosen oder Räucherwerk ihre Freude haben, nennen wirnicht Unmäßige, sondern wir bezeichnen als solche vielmehr nurdie, welche auf den Geruch von Salben und Leckerbissen versessensind; denn an dieser Art von Gerüchen pflegen die eigentlichenUnmäßigen Gefallen zu finden, weil ihnen durch Vermittlung der-selben die Erinnerung an die Gegenstände ihres Begehrens auf-geregt wird. — 6. Auch kann man ja überhaupt bemerken, daßauch andere Menschen, als die Schlemmer, wenn sie hungrig sind,sich an den Düften der Speisen erfreuen. Allein im besondernist es dem Unmäßigen eigen, sich an solchen Gerüchen zu erfreuen,weil die Dinge, von denen sie ausgehen, Gegenstand seiner Be-gierde sind.
7. Auch die anderen Tiere haben an den Eindrücken undEmpfindungen dieser genannten Sinne keine Lustempfindung, außereine zufällige. Denn nicht das Riechen, sondern das Verzehrendes Hasen ist die Freude des Hundes, und der Geruch gibt ihmnur die Witterung. Ebensowenig erfreut sich der Löwe an derStimme des Ochsen, sondern an seinem Fleische, das er frißt, ob-schon es die Stimme ist, durch die er es merkte, daß der Ochse nahesei, und somit allerdings der Schein erweckt wird, als ob er sich anihr freue. Ebenso ist es nicht „der Anblick oder das Antreffeneines Hirsches oder einer wilden Ziege" was seine Freude aus-macht, sondern die Aussicht, daß er an ihnen einen Fraß haben wird.
3. Mir ist der letztere Zusatz nicht ganz unverdächtig. Er kann sehrwohl eines Lesers Randbemerkung sein, dein es einfiel, daß es doch auch„Bildernarren" u. dgl. gebe.
4. Anspielung auf ein bekanntes Gleichnis Homers (Ilias III, 23 ff.),