Drittes Buch. Neuntes Kapitel.
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der Tapferkeit hängt, ebensolche Bewandtnis hat, so werden aller-dings Tod und Wunden für den Tapfern etwas Unangenehmesund seiner Neigung zuwider sein, allein er nimmt sie über sich,weil es schön und das Gegenteil schimpflich ist. Za, man kann sagen:je mehr jemand mit aller Art von Tugend ausgestattetund in je glücklicherer äußererLageerist, umso schwererwird ihm das Sterben ankommen. Denn das sind ja geradedie Dinge, durch die das Leben lebenswert wird, und ein solcherMann wird der größten Güter bei vollem Bewußtsein beraubt,was sicherlich schmerzhaft ist. Aber er ist darum nicht weniger einTapferer, ja, ich denke, er ist es um desto mehr, weil er die Pflichtauf dem Felde der Ehre jenen Gütern vorzieht.
5. Man sieht also, daß keineswegs bei allen Tugenden dieBethätigung derselben mit angenehmen Empfindungen verbundenist, wenn man von dem Vergnügen absieht, welches mit Erreichungdes Zieles verknüpft ist. Dagegen will ich gern zugeben, daß, woes sich um die besten Lohnsoldaten* handelt, Leute der oben be-schriebenen Art vielleicht dazu nicht nötig sind, sondern nur solche,die, wenn sie auch dem jetzt aufgestellten Begriffe eines Tapferenweniger entsprechen, doch außer ihren soldatischen Fertigkeiten undEigenschaften sonst nichts Gutes weiter haben; denn solche Leutesind zu allen gefährlichen Unternehmungen bereit und verkaufenihr Leben um geringen Lohngewinn.
7. Soviel von der Tapferkeit, von deren Wesen man sich nachdem Gesagten leicht ein Bild zu entwerfen im stände ist.
I. D. h. Kriegsknechte von Profession, deren Definition Les-sings Tellheim in der „Minna von Barnhelm" gibt. Aristoteles hatdiese in unseren Tagen wieder eine so große und für die Entwickelung derMenschheit so gefährliche Rolle spielende Menschenrasse für ewig in diesemSatze stigmatisiert; und er, der Kenner der makedonischen Soldateska, thutes mit ironischem Behagen. Der wahre tapfere Krieger ist ihm nurder Bürger-Soldat, der Krieger für des Vaterlandes Ehre und Güter, fürRecht und Freiheit. Denn der Zw eck, das Ziel, für das gejochten wird,ist es, was den Tapfern macht.