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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Drittes Buch. Achtes Kapitel.

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dem, was für einen Menschen furchtbar ist oder als furchtbar er-scheint, ausdauernd die Stirn zu bieten, weil dies schön und dasGegenteil schimpflich ist. 15. Daher gehört auch nach der all-gemeinen Ansicht mehr Tapferkeit dazu, in plötzlichen Gefahrenfurchtlos und unerschüttert zu sein, als bei den vorhergesehenen,denn das erstere bezeugt mehr den Mut als stehende, durch Übungerworbene Eigenschaft, oder man kann auch sagen, ein solcher Mutist weniger Folge der Vorbereitung. Denn bei Dingen, die wirim voraus kommen sehen, kann einer auch nach Berechnung undÜberlegung den Entschluß fassen, bei plötzlicher Gefahr aber ent-scheidet allein die wirkliche Verfassung " des Menschen.

16. Tapfer erscheinen ferner auch die, welche die Gefahr nichtkennen, und sie stehen nicht weit ab von denen, welche aus Hoffnungauf Sieg in den Kampf gehen, allein sie stehen doch unter diesenletzteren, weil sie gar kein Selbstgefühl haben, was diese doch habenund deshalb auch eine Zeit lang standhalten, während die, welchebetrogen von ihrer Unkenntnis der Gefahr entgegen gehen, sobaldsie merken, daß die Sache anders ist, als sie vermutet hatten, Reiß-aus nehmen, just wie es den Argi'vern ging, als sie auf die Lako'nerstießen, während sie es mit Sikyo'niern zu thun zu haben meinten."

14. DerHckbitus", die durch Übung erlangte und zur stehenden Eigen-schaft gewordene Fertigkeit, der Charakter. Das griechische Wort (^w)ist für uns unübersetzlich, wie so viele andere. UnserFertigkeit" beziehenwir mehr auf mechanische Verrichtungen, während in dem griechischen Aus-drucke das Bleiben und Verharren in einer gewissen Beschaffenheit,ein gewisses Sichverhalten ausgedrückt liegt. Wenn Aristoteles voneiner Aw der Tugend spricht, so meint er damit die Festigkeit desCharakters und der Gesinnung, wonach uns das so und nicht andersHandeln zur zweiten Natur geworden ist. Etymologisch entspricht dasmittelhochdeutsche gehabe. Vgl. Nieländer, Erläuterung des Aristote-lischen Begriffs der Tugend in der Nikoma'chischen Ethik (Herford, 1861,Schulprogramm) Seite 4 fg.

15. Das Faktum erzählt^ e'nop hon in seinerHelle'nischenGeschichteIV,Kap. 10. Es fällt in das Jahr 304 v. Chr. Die Argiver hatten in derSchlacht die mit den Lakedämoniern verbundenen Sikyonier geschlagen;während sie dieselben verfolgten, bewaffnete der lakedämonische Befehls-haber eine Schar seiner Lakedämonier mit stkyonischen Schilden und führtesie so den siegreichen Feinden entgegen. Als die letzteren das Zeichen der