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Aristoteles, Nikomachische Ethik.
die Gefahr angehen, ohne vorauszusehen, was sie erwartet; dennsonst müßten auch die Esel tapfer sein, wenn sie Hunger haben,weil sie dann trotz aller Schläge nicht vom Fressen Massen?"Thun doch auch die Ehebrecher ihrer Begierde zu liebe manchesGewagte." — 12. Also: alle Wesen, die durch Schmerzgefühloder Zorn sich in eine Gefahr treiben lassen, sind darum nichttapfer zu nennen. Die naturgemäßeste scheint allerdings die Art vonTapferkeit zu sein, deren Ursache der Zorn ist, und wenn sie ver-bunden ist mit vernünftiger Überlegung und mit dem rechten Ziele,so mag sie wirklich Tapferkeit sein. Auch die Menschen empfindenja Schmerz, wenn sie zornig sind, und Vergnügen, wenn sie sichrächen; allein wer bloß aus diesen Antrieben in den Kampf geht,kann zwar ein Streitbarer" heißen, aber ein Tapferer ist er nicht;denn der Grund seines Handelns ist nicht das Schöne, und erhandelt nicht, wie es die Vernunft gebeut, sondern aus Leidenschaft;aber allerdings ist zwischen ihm und dem Tapferen eine gewisseÄhnlichkeit vorhanden.
13. Auch diejenigen, welche der Gefahr entgegengehen, weilsie von zuverlässiger Hoffnung eines guten Ausgangs getragenwerden, sind nicht tapfer im eigentlichen Sinne. Ihr Mut gründetsich nämlich darauf, daß sie schon oft und über viele Gegner gesiegthaben. Ihre große Ähnlichkeit aber mit den wirklich Tapferen kommtdaher, weil beide die Eigenschaft guten Mutes besitzen. Allein diewirklich Tapferen sind zuversichtlich aus Gründen, die ich oben ent-wickelt habe", die anderen dagegen sind es, weil sie glauben, daßsie die stärkeren sind und daß ihre Gegner ihnen nichts werden an-haben können. — 14. Dem ähnlich ist auch das Benehmen derBetrunkenen, denn der Rausch erfüllt sie mit Zuversicht; sobaldaber die Dinge nicht so kommen, wie sie erwarteten, nehmen sieReißaus. Dagegen ist es, wie wir zeigten, die Sache des Tapfern,
10. Anspielung auf Homer, Ilias XI, 558—562, wo die ausdauerndeTapferkeit des A'jax mit der Hartnäckigkeit eines hungrigen Esels ver-glichen wird.
11. Davon erzählt Hora'z, Sati'ren I, 2, 38.
12. Ein Raufer, ein guter „Paukant".
13. Vgl. oben Kap. 7, § 2.