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Aristoteles, Nikomachische Ethik.
13. Also wie gesagt, die Tapferkeit ist ein Mittelmaß in be-zug auf dasjenige, wasFurcht und Zuversicht zu wecken geeignetist,und zwar in den oben angegebenenDingen; sie erwählt und bestehtdie Gefahr, weil das schön ist oder weil es nicht zu thun schmählichist. Aber zu sterben, um der Armut zu entfliehen oder der Liebe^oder irgend einem Schmerzgefühle, ist nicht Sache des Tapferen,sondern vielmehr des Feigen. Denn es ist Weichlichkeit, dem Be-schwerlichen zu entfliehen, und ein solcher Mensch nimmt den Todnicht über sich, weil es schön ist (in solchem Falle zu sterben),sondern weil er einem Übel entfliehen will. ?
Achtes Kapitel.
1. Von dieserBeschaffenheit istalsodiewirklicheTapferkeit. Eskennt aber die Sprache allerdings noch andere, und zwar in fünf-facher Beziehung. Da ist zuerst die staatsbürgerliche Tapferkeit zunennen, weil sie der wirklichen am meisten ähnlich sieht. Es giltnämlich in der allgemeinen Ansicht als ausgemacht, daß die Staats-bürger den Gefahren deshalb die Stirn bieten, weil die Gesetze dasGegenteil mit Strafe und Schande, das mutige Bestehen dagegenmit Ehrenbeweisen belegen; und daher gelten auch die Nationenfürdie tapfersten, bei denen die Feigen ehrlos und die Tapferen geehrtsind. — 2. Als solche charakterisiert auchHomer seineHelden, z. B.seinen Diome'des und seinenHe'ktor. (Er läßt den letzteren sagen:)
(Wehe mir! wollt' ich zur Feste hinein durch Mauer und Thor gehn,)Würd' als der erste Poly'damas mich mit Schmähung belastend
6. Auf diesem echt männlichen Standpunkte des antiken Gefühls befandsich Lessing in seinem Urteile über Goethe's „Werther". S. Ad. Stahr,LessingS Leben und Werke, T. II, S. 155 fg.
7. In der Eude'mischen Ethik (III, 1) wird für diesen Satz der Aus-spruch des Dichters A'gathon (S. zur Poetik, Kap. 9, § 7) augeführt:
Gar viele gibt es, die, von Mühsal übermannt.
Zu sterben lieben!
I. Homer, Ilias, XXII, 99—200. Aristoteles zitiert nur den letztenVers, wie er in dem folgenden Zitate gleichfalls nur die erste Hälfte deszweiten Verses anfübrt.