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Aristoteles, Nikomachische Ethik.
was ein Übel ist, wie z. B. Bescholtenheit, Armut, Krankheit,Freundlosigkeit, Tod; allein nach der allgemein geltenden Ansichtbezieht sich derBegriff des tapferen Mannes nicht auf den ganzenBereich der Übel. Manche Dinge nämlich sind derart, daß sie zufürchten ein Gebot der Pflicht und eine Ehre, sie nicht zu fürchte»schmählich ist, wie z. B. Bescholtenheit; denn hier ist der, der sichfürchtet, ein wackerer und feinfühlender Mann, während der sichnicht Fürchtende ein Schamloser ist, der freilich in der Sprache desgemeinen Lebens von manchen auch, abernurmetapho'risch, „tapfer"genannt wird, weil er eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Tapferenhat, der ja auch in gewisser Hinsicht ein Furchtloser ist. — 4. Armutferner ist, wie mir scheinen will, kein Ding, vor dem man sichfürchten soll, sowenig wie vor Krankheit oder mit einem Worte vorallem, dessen Quelle nicht Schlechtigkeit ist oder was nicht von unsabhängt. Und doch ist auch wieder nicht der, der in bezug aufdiese Dinge furchtlos ist, ein Tapferer, sondern wenn wir ihn inder Sprache des gewöhnlichen Lebens so nennen, so geschieht dasebenfalls wegen einer gewissen Ähnlichkeit; denn manche Menschen,die in Kriegsgefahren feige sind, sind dabei doch hochherzig undbenehmen sich bei Vermögensverlusten beherzt. — 5. Ebensowenigist natürlich der, welcher sich fürchtet, wenn es sich um Mißhand-lung von Frauen und Kindern oder um Neid oder sonst etwashandelt, darum ein Feiger, sowenig wie einer, welcher der Züch-tigung mit Peitschenhieben ^ getrosten Mutes entgegen sieht, einTapferer ist.
6. Mit welcher Art von Dingen hat es nun also der Tapferezu thun? Ich denke, mit den am meisten furchtbaren; denn keinMensch ist in höherem Grade fähig, das Furchtbare zu bestehen,als er. Das Furchtbarste aber ist der Tod, denn er ist ein Letztes,und über ihn hinaus ist nach der allgemeinen Ansicht für den Ge-storbenen weder ein Gut noch ein Übel vorhanden. — 7. Alleinman kann füglich sagen, daß nicht jede Art des Todes den Bereichbildet, in welchem sich der im eigentlichen Sinne Tapfere bewährt,so z. B. nicht die Todesgefahr zur See oder auf dem Krankenbette. —
3. Körperliche Züchtigung war für den freien Hellenen die höchsteSchmach.