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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Drittes Buch. Viertes Kapitel.

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der Natur bestimmten Gegenstand des Woliens gibt, sondern fürjeden nur das Gegenstand des Wollens ist, was ihm scheint undwas er meint. Nun aber scheint dem einen dies, dem andern das,und nach Gelegenheit ist das erste der Gegensatz des zweiten.

4. Wenn nun offenbar diese Definitionen uns nicht befriedigen,müssen wir da nicht sagen: an und für sich betrachtet und derWahrheit nach sei der Gegenstand des Wollens das Gute, für deneinzelnen aber das ihm scheinende? Nämlich: für den sittlichGuten sei es das wahrhaft Gute, für den Schlechten hingegen dasZufällige 2; (wie ja auch im Gebiete des Körperlich-Materiellenfür die in normalem Zustande Befindlichen alles gesund ist, wasan und für sich wahrhaft gesundheitfördernd ist, während fürKränkliche anderes gesundheitsfördernd ist^, und ähnlich ist es auchmit dem Bitteren und Süßen, Warmen, Schweren und so weiter).Denn der gute und tüchtige Mensch urteilt richtig, und jede Sacheist das wirklich, was sie ihm scheint. 5. Je nach jeder Beschaffen-heit des Individuums nämlich ist auch das Schöne und das An-genehme ein besonders Eigentümliches, und vielleicht besteht dergrößte unterscheidende Vorzug des guten und tüchtigen Menschendarin, daß er in allen Dingen das Wahre sieht, indem er sozusagenNorm und Maß^ derselben ist. Die Menge dagegen läßt sich be-trügen durch die Lust, die ein Gut scheint, ohne es zu sein.6. Die gewöhnlichen Menschen wählen daher das Angenehme, alssei es einGut, während sie den Schmerz, alsseieseinBöses, fliehen.

2. S. oben Kap. I, § 15.

3. Ein neues Beispiel, wie Aristoteles, der frühere Arzt, gern seineVergleiche aus der Medizin entnimmt. S. die Anmerkung zu Aristo-teles, Politik, III, Kap. 6, § 8. Vgl. Ethik. Über die Sache selbsts. Aristoteles, Physik, II, 8.

4. S. unten IX, Kap. 4, § 2; X, Kap. 5, § 10. Aristoteles er-innert hier an den bekannten Satz des Prota'goras, der den Menschenschlechtweg das Maß aller Dinge nannte. S. Aristoteles, Metaphysik, X,Kap. I, § 34 Schwegler, und IX, Kap. 3, § 4. S. Brandts,Geschichte der alten Philosophie, T. I, S. 528.