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Aristoteles, Nikomachische Ethik.
weil jene weniger auf feste Regeln gebracht ist, als diese. — 9. Undebenso ist es in allen übrigen Wissenschaften und Künsten, nurdaß wir im Bereiche der Künste mehr Gelegenheit und Anlaß zurBeratung haben, als in dem der Wissenschaften, weil in dem Be-reiche der ersteren unsere Meinungsverschiedenheiten größer sind.— 10. Das Beratschlagen bewegt sich ferner im Kreise der Dinge,welche die gewöhnlichen Vorkommnisse des Lebens bilden, derenAusgang aber nicht sofort klar ist, und wo es an festen Bestim-mungen fehlt. Sind die Dinge, um die sich's handelt, wichtig, sonehmen wir Mitberater hinzu, weil wir der Schärfe unserer eigenenEinsicht nicht genügend vertrauen.
11. Wir beraten uns ferner nicht über die Zwecke, sondernüber die Mittel zu den Zwecken. Denn kein Arzt beratschlagt sichdarüber, ob er heilen, kein Redner darüber, ob er überzeugen, keinStaatsmann darüber, ob er einen guten gesetzlichen Zustand Her-richten soll, und so überhaupt niemand über seinen Zweck; sondernerst setzt man sich irgendwelchen Zweck, und dann sieht man zu,auf welche Art und mit welchen Mitteln er sich erreichen lassenwird; und wenn mehrere Mittel dazu hinzuführen scheinen, so über-legt man weiter, durch welches er sich am leichtesten und bestenerreichen läßt; wenn aber nur ein Mittel zu seiner Erreichungda ist, so überlegt man, auf welche Weise es seine Wirkung thunwird und wodurch man zu diesem Mittel gelange, bis man (in derReihe der Entdeckungen) auf die erste bewirkende Ursache kommt,die aber in dieser Reihe die letzte ist; — denn derBeratschlagendeverfährt augenscheinlich bei dem hier angegebenen analytischen Unter-suchungsverfahren, wie wenn er ein geometrischesProble'm zu lösenhätte. — 12. Indessen ist nicht jede Untersuchung eine Beratschla-gung, wie z. B. die mathematischen (dies nicht sind), wohl aber istjede Beratschlagung eine Untersuchung, und das letzte in der Ana-lyse ist das erste in der Ge'nesis?
2. „Das, was bei der Untersuchung das letzte ist, was gefunden wird,muß bei der Anwendung aufs Handeln das erste sein, was in Ausübungkommt/ Garve.