Drittes Buch. Zweites Kapitel.
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und wenn einer behaupten wollte, „er setze sich Unmöglichesvor", so dürfte man ihn mit Fug für einen Thoren halten. DasWollen dagegen kann allerdings auf das Unmögliche gehen, z. B.auf Unsterblichkeit. 8. Das Wollen ferner kann auch auf Dingegehen, deren Bewerkstelligung auf keine Weise in unserer Machtliegt, man kann z. B. wollen, daß der und der Schauspieler oderAthlet den Sieg davontrage. Dergleichen Dinge aber setzt sichniemand vor, sondern nur solche Dinge, die er durch eigene Kraftbewerkstelligen zu können glaubt. — 9. Endlich: das Wollen gehtvorzugsweise auf den Zweck, die Absicht dagegen auf die Mittelzum Zwecke, z. B. wir wollen gesund sein, aber wir setzenuns vor, das zu thun, wodurch wir gesund werden; wir wollenglückselig sein, und dieser Ausdruck ist aucki ganz sprachgemäß,während es dagegen unpassend ist zu sagen: wir setzen uns vor,glückselig zu sein. Denn überhaupt kann, wie es scheint, von Vor-satz nur geredet werden bei Dingen, die in unserer Gewalt sind-
10. Aber auch eine Vorstellung kann der Vorsatz nicht sein;,denn die Vorstellung kann sich bekanntlich auf alles und ganz eben-sowohl auf das Ewige und Unmögliche, als auf das, was in unsererGewalt steht, erstrecken. Ihren Unterschied ferner bildet das Falscheund Wahre, nicht das Böse und Gute, welches gerade bei demVorsatze hauptsächlich in Frage kommt. — II. Auch muß mansagen, daß vielleicht kein Mensch behauptet, Vorsatz sei identischmit Vorstellung überhaupt; aber er ist auch nicht einmal irgend-eine Art von Vorstellung. Denn unser sittlicher Charakter bestimmtsich danach, jenachdem wir uns das Gute oder das Böse vorsetzen,aber nicht nach unseren Ansichten und Vorstellungen. — 12. Fernerden Gegenstand unseres Vorsetzens bildet die Absicht, etwas zuergreifen oder etwas zu fliehen, und dem ähnliches; den Gegenstandunserer Ansicht dagegen bildet die Frage: Was ist eine Sache?Oder wem nützt sie? Und auf welche Weise? Aber nach etwastrachten oder etwas fliehen, ist nicht ebenSache unseres Vorstellens.
4. Dasselbe „Beispiel" des „Unmöglichen" finden wir in der Eude'-mischcn und in der Großen Ethik.