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Aristoteles, Nikomachische Ethik.
Zweites Kapitel.
Na». 1. Nachdem wir den Begriff des Freiwilligen und des Unfrei-willigen bestimmt haben, müssen wir zunächst über den Vorsatz(die Absicht) handeln. Denn dieser ist vor allem der Tugendwesentlich und bildet im höherem Grade das Kriterium für densittlichen Charakter, als die Handlungen.
2. Der Vorsatz erscheint nun zwar immer als etwas Frei-williges, ist aber doch nicht dasselbe, sondern das Freiwillige hateinen größeren Umfang; denn am Freiwilligen haben auch Kinderund Tiere teil, aber am Vorsatze nicht, und plötzliche Handlungen ^nennen wir zwar freiwillige, sagen aber nicht, daß sie vorsätzlichgethan werden.
3. 4. Diejenigen nun, welche den Vorsatz als Begierde oderLeidenschaft oder als Wollen oder endlich als eine gewisse Vor-stellungb definieren, scheinen mir im Irrtums. Denn unvernünftigeWesen haben zwar teil an Begierde und Leidenschaft, aber nichtauch am Vorsatz, während umgekehrt der Enthaltsame zwar mitVorsatz aber nicht aus Begierde handelt. — 5. Ferner: dem Vor-sätze stellt sich die Begierde entgegen, aber nicht die Begierde derBegierde. Ferner: die Begierde hat es zu thun mit dem, was an-genehm oder schmerzhaft ist, der Vorsatz dagegen geht weder aufdas Schmerzhafte noch auf das Angenehme.
6. 7. Leidenschaft ist der Vorsatz noch weniger; denn was ausLeidenschaft gethan wird, gilt am wenigsten als etwas Vorsätzliches.Aber er ist auch keineswegs ein Wollen, obschon ihm das letzterenahe verwandt scheint; denn Vorsatz geht nie auf das Unmögliche,
1. Vgl. unten^IV, Kap. 7, § 12; VI, Kap. 2, § 4; Trendelenburg,
zu Aristoteles' Schrift von der Seele 1, Kap. 3, S. 252; Biese, a. a.O., II, S. 248. ' > > ,
2. Handlungen, welche einer ohne überlegten Vorsatz thut, z. B. imZorn oder sonst in leidenschaftlicher Aufregung. — Vorsatz setzt voraus-gehende Überlegung und Wahl voraus. S. Biese I, S. 484.
3. Ansicht, Meinung (Lö?«).