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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Zweites Buch. Neuntes Kapitel.

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Grade fehlerhaft als das andere. ^ Wenn also überhaupt dasMittlere genau zu treffen schwer ist, so muß man nach dem Schiffer-spruche lavierend von zweien Übeln das kleinste wählen und daswird man am besten auf die so eben bezeichnte Art bewerkstelligen.

4. Aber auch das müssen wir berücksichtigen, für welche Seitewir in uns selbst den größten Hang verspüren, denn wir sind vonNatur nicht einer wie der andere geartet. Wohin unser Hang vor-zugsweise sich neigt, das werden wir erkennen aus dem Vergnügenund aus dem Schmerze, die wir in dem einen oder dem andern Falleempfinden. 5. Von diesem unserm natürlichen Hange nun müssenwir uns jedesmal mit eigener Anstrengung zu dem Gegenteile hin-überzubringen suchen; denn wenn wir uns möglichst weit von diesemunferm Hange entfernen, so werden wir zu der richtigen Mitte hingelangen. Es ist das ein Verhalten, das dem Verfahrenderjenigen entspricht, welche krummes Holz gerade machen wollen.

6. Bei jeder Gelegenheit aber müssen wir vor allen Dingenauf der Hut sein vor dem Angenehmen und der Lust. Denn hierurteilen wir nicht als unbestochene Richter. Hier also, gegenüberder Lust, muß unser Empfinden dasselbe sein, wie das Empfindender ironischen Volksältesten gegenüber der He'lena, und wir müssenjedesmal letztlich auf ihr Schlußwort^ zurückkommen; denn wenn

2. Wie oben Kapitel 8, § 6.

3. Das hier angeführte Sprichwort von derzweiten Fahrt" brauchtAristoteles auch in seiner Politik III, Kapitel 8, § 6.

4. Eine überaus anmutige Anspielung ans eine bekannte HomerischeScene. Die troischen Volksältesten, welche mit dem greisen Könige Pri'amosauf dem Turme am Skä'ischen Thore sitzen, erblicken dieffchöne Helena, welchezum Turme hinaufsteigend vor Priamos hintritt. Überwältigt von demZauber ihrer Schönheit raunt einer dein andern ins Ohr:

Schelte mir keiner die Troer und wohlumschienten Achä'er,

Daß sie um solch ein Weib so lange sich mühen im Elend,Gleicht sie ja doch an Gestalt unsterblichen Frauen der GötterlAber, so lautet das von Aristoteles hier gemeinte Schlußwortdieser Rede der alten Häuptlinge

Aber so schön sie auch ist, so mag sie doch lieber nach HauseSegeln und uns- und den Unfern nicht einst noch Untergang bringen!