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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Zweites Buch. Neuntes Kapitel.

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seiten des Extrems des Zuwenig, in anderen auf seiten desExtremsdes Zuviel. So z. B. steht der Tapferkeit nicht sowohl die Ver-wegenheit, welche das Extrem des Zuviel ist, entgegen, als vielmehrdie Feigheit, das Extrem des Zuwenig; zu der Mäßigung dagegenbildet den Gegensatz nicht die absolute Unempfindlichkeit gegen denSinnenreiz, die das Extrem des Zuwenig ist, sondern die Zügellosig-keit, welche das Extrem des Zuviel ist. 8. Das rührt von zweiUrsachen her. Die eine liegt in der Natur der Sache selbst. Weilnämlich das eine der beiden Extreme dem Mittleren näher und ver-wandter ist, so nehmen wir nicht dieses, sondern vielmehr das ent-gegengesetzte Extrem als Gegensatz zu dem Mittleren, z. B. da all-gemein die Verwegenheit für das der Tapferkeit ähnlichere und nähereExtrem gilt und die Feigheit als das unähnlichere, so fassen wirdiese letztere als den Gegensatz zur Tapferkeit. Denn was weitervon dem Mittleren entfernt ist, erscheint als stärkerer Gegensatz.8. Das ist also die eine aus der Sache selbst hervorgehende Ursache.Eine zweite dagegen hat ihre Wurzeln in uns selbst. Dasjenigenämlich, wozu wir selbst so zu sagen die stärkere natürliche Neigunghaben, erscheint uns als das dem Mittleren im höheren Grade ent-gegengesetzte. Wir haben z. B. einen überwiegenden natürlichenHang zu den Genüssen, und darum sind wir in höherem Grade ge-neigt, nach der Seite der Zügellosigkeit über die Schnur zu hauen,als nach der Seite der züchtigen Enthaltsamkeit. Demgemäß be-zeichnen wir denn auch diejenigen Dinge als Gegensätze, zu denenwir uns in höherem Grade neigen, und darum eben ist die Zügel-losigkeit, die ein Extrem des Zuviel ist, in höherem Grade derMäßigung entgegengesetzt?

Neuntes Kapitel.

Hiermit ist denn genügend gesagt, daß die ethische Tugend ein Kap.Mittelmaß und wie sie es ist und daß sie ein Mittelmaß zwischen Best.

3. In höherem Grade als dieUnempfindlichkeitgegen Sinnen-reiz, das Extrem des Zuwenig.