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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Aristoteles, Nikomachische Ethik.

einander in einem gewissen Gegensätze; die extremen nämlich sindebensowohl der mittleren als einander selbst entgegengesetzt und diemittlere hinwiederum den extremen. 2. Sowie nämlich dasGleiche * in Beziehung auf das Kleinere ein Größeres und in Be-ziehung auf das Größere ein Kleineres ist, so sind auch die mittlerenDispositionen, sowohl bei den Leidenschaften als bei den Hand-lungen, in Beziehung auf die Extreme das Zuwenig ein Zuviel,in bezug dagegen auf die Extreme das Zuviel ein Zuwenig. DerTapfere z. B. erscheint, gegen den Zaghaften gehalten, als ver-wegen, gegen den Verwegenen als zaghaft; ebenso der Mäßigegegen den (für jeden Genuß) Unempfindlichen gehalten, als zügel-los, gegen den Zügellosen als unempfindlich; der Liberalfreigebigegegen den Knicker als Verschwender, gegen den Verschwender alsKnicker. 3. Darum schieben denn auch die, welche sich in einemder beiden fehlerhaften Extreme befinden, immer den, der dasMittelmaß hält, von sich weg, einer dem andern zu und nennendemgemäß z. B. der Feige den Mutigen verwegen, der Verwegeneebendenselben feige; und ebenso in den anderen Fällen.

4. Innerhalb dieses gegenseitigen Wettstreites aber ist dochder Gegensatz der Extreme unter sich ein größerer, als ihr Gegensatzzu dem Mittel. Denn sie stehen weiter von einander ab als vondem Mittleren, sowie ja auch von drei verschiedenen Größen dasGroße von dem Kleinen und das Kleine von dem Großen durch einenweiteren Abstand geschieden ist, als beides von dem Gleichen?

5. Mit dem Mittleren ferner erscheinen manche Extreme in einer Artvon Verwandtschaft, wie z. B. die Verwegenheit mit der Tapferkeitund die Verschwendung mit der Freigebigkeit ähnlich erscheint, da-hingegen findet zwischen den Extremen unter einander immer diegrößte Unähnlichkeit statt. Denn die Dinge, welche am weitestenvon einander abstehen, werden als Gegensätze definiert, und eingrößerer Abstand bedingt ebendaher auch einen stärkeren Gegensatz.

6. Was hingegen das Verhältnis zu dem Mittleren betrifft,so ist der Gegensatz zu demselben in manchen Fällen stärker auf

1. D. h. das jedesmalige richtige Maß einer Sache.

2. S. die vorhergehende Anmerkung.