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Aristoteles, Nikomachische Ethik.
zwar in entgegengesetzter Beziehung. Der Verschwender nämlichthut zuviel im leichten Ausgeben, während erim Erwerben zuwenigthut, der knickerig Gemeine dagegen thut zuviel im Nehmen und zu-wenig im Ausgeben. — 5. Für jetzt rede ich über diese Dinge nurim allgemeinen und summarisch, weil mir das jetzt genügt, späterwird aber davon genauer und ausführlicher gehandelt werden. ^
6. Im Gebiete der Geldsachen gibt es abernoch andere geistige
Beschaffenheiten. Ein Mittelmaß ist z. B. geschmackvoll groß-artige Prächtigkeit — denn es ist ein Unter-
schied zwischen solcher Sinnesart und zwischen dem anständig Frei-gebigen; die erstere nämlich erweist sich in großen Verhältnissenund Mitteln, während der letztere es mit kleinen zu thun hat — dieÜbertreibung in solchen Geldausgaben istmaßlose Prunkerei^und bauernstolzes Großthun, das Zuwenigthun in solchenDingen dagegen ist Mesquinerie. Diese geistigen Beschaffen-heiten sind jedoch von denen, welche sich im Gebiete der anständigenFreigebigkeit bewegen, verschieden; auf welche Art sie verschiedensind, wird später^ gesagt werden.
7. Auf dem Gebiete der Ehre und Schande ist das Mittel-maß des geistigen Verhaltens Großherzigkeit, das Übermaßwird durch den Ausdruck Aufgeblasenheit bezeichnet, der Mangeldagegen ist niedrige Gesinnung.
8. 9. Wie ich aber vorhersagte, daß sich die Freigebigkeitzur Prächtigkeit verhalte, nämlich daß der Unterschied darin liege,daß die erstere es mit kleinen Objekten zu thun habe, so verhält sichauch zu der Großherzigkeit, die sich auf eine hohe Ehre bezieht, einegewisse andere Eigenschaft, die es auch mit Ehre, aber mit kleiner,zu thun hat. Nach Ehre trachten kann man nämlich entweder indem Grade, wie sich's gehört, oder mehr oder auch weniger, und dieSprache hat für den, der in seinem Begehren danach zuviel thut,die Bezeichnung ehrgeizig, während der, der darin zuwenig thut.
6. S. unten IV, Kap. I, Z 28 ff.
7. S. unten IV, Kap. 2, § 4.
8. S. unten IV, Kap. 2.