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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Zweites Buch. Siebentes Kapitel.

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speziellen enthalten mehr Wahrheit. Denn die Handlungen habenes mit dem Speziellen zuthun, und jene allgemeinen Bestimmungenmüssen also mit den besonderen Fällenübereinstimmen. Wirwollenalso diese einzelnen Bestimmungen in folgender Übersicht zu gebenversuchen.

2. Auf dem Gebiete der Empfindungen der Furcht und desMutes ist die Tapferkeit das Mittelmaß. Von denen, die indiesen Empfindungen zu weit gehen, hat die Sprache für den, der inder Furchtlosigkeit zu weit geht, keine Bezeichnung, wie es dennfür viele solche Verhältnisse in der Sprache an Bezeichnungenfehlt 3, dahingegen heißt der, der in der Empfindung des muti-gen Selbstvertrauens zu weit geht, verwegen, während der, der imFürchten zu viel und im mutigen Selbstvertrauen zu wenig thut,feige heißt.

3. Auf dem Gebiete der Empfindungen von Lust und Schmerz zwar nicht bei allen und am wenigsten bei allen Schmerzen istdas Mittelmaß die Mäßigkeit des gesunden Sinnes^, das Über-maß die Zügellosigkeit. Menschen, die auf dem Gebiete derLustempfindungen zu wenig thun, gibt eswohl kaum, und darumhaben denn auch solcherart Menschen in der Sprache keine Bezeich-nung erhalten; wir wollen sie indes Unempfindliche nennen.

4. Auf dem Gebiete des Geldausgebens und Geldeinnehmensist das Mittelmaß anständige Freigebigkeit^, das Zuviel undZuwenig Verschwendung und knickrige Gemeinheit. Zederdieser beiden Fehler thut zu gleicher Zeit zu wenig und zu viel, und

3. Eine bei Aristoteles häufige Klage. S. Kategorieen, Kap. 8, §7,und in der Ethik an vielen Stellen.

4. Die für uns unnbersetzliche llwwpoaövp.

5. Genauer entspricht der griechische Ausdruck liXeobepcorrj?) dem, waswir, allerdings auch mit einein Fremdwort, Noblesse der Gesinnung nennen.Es ist der adlige Sinn des freien und gebildeten Mannes, der sich in Geld-sachen bewährt, in denen nach der Ansicht der Griechendie Gemütlichkeit"nichtaufhört", sondern anfängt, d. h. sich als die wahre bewährt. DieHansemannsche Gemütlichkeit, welche in Geldsachen aufhört, nannte derGrieche Bass esse (ävcXeobepm), d. h. knickernde Gemeinheit und Nie-drigkeit des Sinnes.