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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Zweites Buch. Sechstes Kapitel.

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13. Mithin ist die Tugend ein gewisses Mittelmaß, insofernsie in dem Bestreben besteht, das Mittlere zu treffen.

14. Ferner: Verfehlen kann man sich auf vielfache Artdenn das Böse gehört, nach der bildlichen Ausdrucksweise der Py-thagore'erb, unter die Kategorie des Unendlichen, das Gute da-gegen unter die des Begrenzten das Richtige thun kann mandagegen nur aus eine Art. Daher ist auch das erstere leicht, dasletztere schwer: leicht, das Ziel zu verfehlen, schwer, es zu treffen.

Aus diesen Gründen fällt daher das Zuviel und das Zuwenigunter die Kategorie des Lasters, wohingegen das Mittelmaß unterdie Kategorie der Tugend fällt, denn:

Eine Weise nur kennet die Tugend, viele das Laster!"^

15. So ist denn also die Tugend die vorsätzliche Fertigkeit, Kap.welche in unseren subjektiven Trieben und Neigungen die Mitte Bur.hält, bestimmt durch die Vernunft und in der Art und Weise,wie sie der vernünftige Mann bestimmt." Und zwar ist sie dieMitte von zwei Lastern, dem des Zuviel und dem des Zuwenig.

16. Sie ist dies endlich, insofern als dieses Zuviel und Zuwenigder Laster sowohl in den Leidenschaften als in den Handlungenüber den Bereich dessen, was sein soll, hinausgeht, während dieTugend dagegen das Mittlere ebensowohl findet, als erwählt.

17. Will man daher das Wesen und den Begriff der Tugend aus-drücken, den Begriff, welcher in dem Besonderen die beherrschendeEinheit des unveränderlichdn Zweckes bestimmt^, so muß mansagen: sie ist ein Mittleres, will man aberihrenWertundihre innereVollendung bezeichnen, so muß man sagen: sie ist ein Äußerstes.

18. Nicht jede Handlung indes und nicht jede Leidenschaftist dieses mittleren Maßes fähig, wie denn auch bei einigen schonihre Benennung die Schlechtigkeit mit einschließt, z. B. Schaden-

9. S. zu I, 6, § 7.

10. VerS eines unbekannten Dichters.U. S. Biese II, S. 2ll.

12. Biese II, S. 308.