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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Aristoteles, Nikomachische Ethik.

Mittlere ihr Augenmerk richtet und ihre jedesmaligen Leistungenauf dieses hinführt woher man ja auch von vollkommenenLeistungen zu sagen pflegt,es sei davon weder etwas ab-noch hin-zuzuthun", indem man von dem Satze ausgeht, daß das Zuviel unddas Zuwenig die Vollkommenheit vernichte, während nur das rich-tige Mittelmaßdieselbeerhalteist esserner, wiewirsagen, That-sache, daß die tüchtigen Künstler bei ihrer Arbeit auf diesen Punktihr Augenmerk gerichtet halten, und ist endlich die Tugend voll-kommen und besser als jede Kunst, so muß sie, wie ja auch die Natur,ihr Absehen auf das Mittlere richten. ^ 10. Ich spreche natür-lich von der ethischen Tugend, denn diese hat es mitLeidenschaftenund Handlungen zu thun, und diese sind es, in welchen ein Zuvielund ein Zuwenig und die richtige Mitte zwischen beiden stattfindet.Z. B. Furcht, Selbstvertrauen, Begierde, Zorn, Mitleid und miteinem Worte angenehme und schmerzliche Empfindungen können inzu großem und in zu geringem Maße bei jemand vorhanden sein,und in beiden Fällen nicht in dem richtigen Maße. 11. Sind siedagegen vorhanden zur gehörigen Zeit und bei den gehörigen Ver-anlassungen, gerichtet gegendiejenigen Personen, hervorgebracht ausdenjenigen Beweggründen und sich äußernd in der Art und Weise,wie es geziemend ist, dann halten sie das mittlere Maß und sindgut und vollkommen, was zu bewirken Sache der Tugend ist.

12. Ebenso gibt es bei den Handlungen ein Zuviel und Zu-wenig und ein Mittleres. Die Tugend aber hat es zu thun mitLeidenschaften und mit Handlungen, bei welchen einerseits das Zu-viel sündigt und andererseits das Zuwenig getadelt wird, währenddas Mittlere gelobt wird und sein Ziel erreicht, was beides zurTugend gehört.

8.Dieses ZuduktionSverfahren beruht auf der Analogie derTugend mitder Kunst. Aristoteles liebt diese Analogie, doch ist er sich wohl bewußt, da-mit das innere Wesen der Tugend nicht erklärt zu haben. In dieser Be-ziehung ist besonders lehrreich das vierte Kapitel, in welchem das Wesen derTugend gegenüber der Kunst erörtert wird. Die Tugend hat ein einfacheres,allgemeineres, abstrakteres Prinzip, sie ist innerlicher als die Kunst." SieheNieländer, Über den Begriff der Tugend in Aristoteles' NikomachischerEthik (Herford, 1861), S. 6.