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Aristoteles, Nikomachische Ethik.
7. Zu derselben Einsicht können wir auch auf folgendemWege gelangen. Drei Dinge sind es nämliche welche unser Thun,und drei Dinge, welche unser Lassen bestimmen: das Schöne, dasNützliche, das Angenehme, und deren drei Gegensätze: das Häßliche,das Schädliche und das Unangenehme. In allen diesen Bezie-hungen nun ist es der Gute, der das richtige trifft und thut,während der Schlechte sich dagegen verfehlt; und zwar gilt dieshauptsächlich in betreff der Lustempfindung. Diese ist nämlich allenlebenden Wesen gemein und mit allen Dingen, wobei eine Wahlins Spiel kommt, als Folge verbunden, denn auch das Schöneund Nützliche erscheint als angenehm. — 8. Dazu kommt, daßdiese Empfindung von Kindesbeinen an mit uns aufgewachsen undes also eine schwierige Sache ist, diese durch das Leben in unsfestgewurzelte Empfindung von uns abzuthun. Und so bilden dennauch allgemein — für den einen mehr, für den andern weniger —Lust und Unlust den Maßstab, mit dem wir die Handlungen messen.— 9. Daraus ergibt sich, daß notwendig unsere ganze gegen-wärtige Disziplin es mit ihnen zu thun hat. Denn es ist von nichtgeringer Wichtigkeit für unser Handeln, ob die Quelle unsererFreuden eine lautere oder unlautere ist.
10. Endlich bedenke man, daß es noch schwerer ist, gegen dieLust anzukämpfen, als, wie Herakli't sagt, gegen den Zorn^; dasSchwierige aber ist immer auch dasjenige, mit dem es die Kunstund die Tugend zu thun hat, wie denn auch die Vollkommenheitauf diesem Gebiete (des Schwierigeren) immer auch die höhere ist.Also auch aus diesem Grunde sind es die Empfindungen der Lustund der Unlust, mit denen es die gesamte Doktrin der Moral undder Politik zu thun hat; denn wer sich in bezug auf diese beidenEmpfindungen in allen Lebensverhältnissen richtig benimmt, derwird ein Tugendhafter sein, wer schlecht, ein Schlechter.
3. Die hierher gehörigen Stellen der alten Schriftsteller findet mangesammelt bei Lassalle, Die Philosophie Herakli'tos des Dunkeln, T. II,S. 446fg. S. die Anmerkung zu Aristoteles, Politik, V, Kap. 9, 8 18,und Biese, a. a. O., T. II, S. 303, Anmerk. 2.