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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
Entstehung
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Zweites Luch

Erstes Kapitel.

1. Wir sahen also, daß dieTugend eine zwiefache ist, dieinderErkenntnis bestehende * und die sittliche (e'thische). Die in der Er-kenntnis bestehende gewinnt ihren Ursprung und ihre Förderunggrößtenteils durch Lehre und Unterricht, weshalb Erfahrung undZeit dazu nötig sind. Die ethische dagegen wird uns zu teil durchGewohnheit (E'thos), davon sie denn auch ihren Namen erhaltenhat, der nur durch eine leise Umwandlung von diesem Worte(Ethos) gebildet ist. ^

2. Daraus erhellt denn auch, daß keine einzige von den ethi-schen Tugenden uns von Natur innewohnt. Denn keine Eigenschaft,welche einem Dinge von Natur beiwohnt, kann durch Gewöhnungverändert werden; der Stein z. B., der von Natur niederwärts sichbewegt, dürfte schwerlich gewöhnt werden können, sich nach oben zubewegen, wenn man ihn auch durch zehntausendmaliges Jndiehöhe-

1. Vgl. Biese II, S. 280. Die Verstandestugend.

2. Das griechische Wort, welches Gewohnheit heißt, lautet L'tbos(mit kurzem eh das griechische Wort, welches sittlich heißt, lautetötlnoo's (mit langem e). Diese etymologische Erklärung, welche in denbeiden anderen Moralwerken des Aristoteles sich gleichfalls findet, ist vonSpäteren, wie Pluta'rch (die Stelle s. bei Zell, Kommentar, S. 62) undJohannes Stobä'os, Ethische Eklogen, II, I, S. 242 Heeren, wieder-holt worden.