Erstes Buch. Dreizehntes Kapitel.
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lobend von Vernunft und von dem vernünftigen Teile der Seele",insofern dieselbe den Menschen richtig und zum Guten anmahnt.Allein in denselben Menschen scheint auch etwas zu sein, was seinerNatur nach mit der Vernunft im Widerspruche steht und was alsogegen dieVernunft ankämpft und sich gegensiespannt. Denngeradeso wie die paralysierten Glieder des Körpers, wenn der Mensch sienach rechts zu bewegen beabsichtigt, sich wider seinen Willen nachlinks herumwerfen, gerade so wunderlich geht es auch bei der Seele,wo die Begierden der Unenthaltsamen sich aus das Entgegengesetztewenden. — 16. Der Unterschied ist nur der, daß wir beim Körperdiese verkehrte Bewegung seh en, während wir sie bei der Seelenicht sehen. Das darf uns aber doch wohl nicht abhalten, anzu-nehmen, daß auch in der Seele etwas neben der Vernunft sei, wasdieser das Widerspiel hält und gegen sie angeht. Das Wie diesesUnterschiedenseins bekümmert uns hier nicht weiter. — 17. Aberauch dieses Etwas scheint, wie wir bereits sagten^, an der Ver-nunft teil zu haben, denn es gehorcht ja der Vernunft bei dem Ent-haltsamen, und, setzenwirhinzu, bei dem besonnenen und mannhaftenMenschen gehorcht es um so williger, weil da alles mit der Ver-nunft sich in Übereinstimmung befindet.
18. Also: auch der vernunftlose Teil der Seele erscheint alsvon doppelter Art: als vegetativer nämlich hat erschlechterdings garkeine Gemeinschaft mit der Vernunft, dagegen als begehrender undmit einem Worte als verlangender hat er in gewisser Weise teil anihr, insofern er ihr folgsam ist und Gehorsam leistet. sDas ist auchder Sinn der Ausdrucksweise, wenn wir sagen: „Vom Vater undvom Freunde Vernunft annehmen", wobei wir keineswegs an dieDemonstrationen der Mathematiker denkenj.^ Daß sich aber ingewisser Art das Unvernünftige von der Vernunft zum Gehorsambringen läßt, dafür liegt ein Fingerzeig in dem Ausdrucke, einem den
11. Bei dem „Enthaltsamen", insofern er seine sinnlichen Begierdeneben beherrscht; bei dem „Unenthaltsamen", insofern er wenigstens eineZeitlang der Begierde widersteht.
12. S. vorher §. 15.
13. Ich halte die eingeklammerten Worte für eine in den Text ge-kommene Randbemerkung, die etwas spielerisch mit dein Ausdrucke
verfährt.