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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Aristoteles, Nikomachische Ethik.

dem wir sprechen, bald näher bald entfernter angehen, so dürftees eine langwierige, ja unendliche Aufgabe sein, sie alle einzelnin dieser Beziehung abschätzen und bestimmen zu wollen, vielmehrkönnen wir uns mit einigen allgemeinen, umrißweise gegebenenBestimmungen begnügen.

3. Die Sache ist die: wie wir von den eigenen Unglücksfällendes Menschen gesagt haben, daß nur ein Teil derselben wirklichvon einem gewissen Einfluß und beschwerenden Gewichte für seinLeben sei, während andere dagegen dazu allzu leicht sind, so verhältsich's auch mit denjenigen, welche des Menschen gesamte Angehörigebetreffen. 4. Ferner ist der Unterschied bei jedem Leiden, ob esLebende oder Gestorbene betrifft, ein um vieles größerer als der, obdie unnatürlichen und furchtbaren Thaten in den Tragödien vor denBeginn der tragischen Handlung fallen^ oder innerhalb derselbenvor unseren Augen gethan werden. 5. Offenbar also muß auchdieser Unterschied in Rechnung gebracht werden, noch mehr aber derUmstand, daß es überhaupt noch eine Frage ist, ob die Dahin-geschiedenen noch mit demGuten oderdenÜbelndiesesLebensirgendwelchen Zusammenhang haben. Denn nach dem, was hier für undwider gesagt wird, scheint es, daß, selbst wenn irgend einesolcheBe-ziehung des Gestorbenen zu den guten und üblen Dingen des Lebensstattfindet, diese Beziehung doch nur eine sehr schwache und geringe,entweder an und für sich selbst oder für das Empfinden, sein kann,wäre sie aber auch stärker, so würde sie doch immer nur so weitreichend und von solcher Art sein, daß sie die, welche nicht glückseligsind, nicht glückselig zu machen und ebenso die, welche es wirklich sind,ihrer Eigenschaft alsGlückliche nicht zuberaubenvermag. f6. Da-nach scheint es also, daß allerdings die Glücksfälle und ebenso auch

2. Vgl. Aristoteles, Poetik, Kap. 14. Der Vergleich ist deutlich.Aristoteles will sagen: Der Unterschied, den es macht, ob irgend ein Leiden( 71 -Ä 0 ?) einen Menschen trifft, der noch lebt, oder einen, der bereits ge-storben ist, dieser Unterschied läßt sich demjenigen vergleichen, den es inder Tragödie macht, ob der Zuschauer die gräßlichen und gesetzlosen Thaten,auf deren Grunde (z. B. im König ÖMpus) die Tragödie ruht, in derTragödie selbst geschehen sieht oder ob sie nur als geschehene voraus-gesetzt und erwähnt werden. Nur ist, sagt der Philosoph, der erstereUnterschied ein noch größerer.