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Aristoteles, Nikomachische Ethik.
indessen die kleinenGlücks-oderUnglücksfälle betrifft, so siehtinanleicht, daß sie keinen wesentlichen Einfluß auf die Gestaltung desLebens ausüben, dahingegen die großen und zahlreichen, wenn siegünstiger Art sind, dasLebensglück steigern werden —weilsie einer-seits an und fürsich derNaturderDingenachgeeignetsind, dasLebenzu schmücken, und andererseits ihreBenutzung dieMittel zu schönenund guten Werken gewährt —, wenn sie aber ungünstig ausfallen,so bedrücken und trüben sie das Lebensglück, denn sie bringenKümmernisse über dasselbeund hindern manche Thätigkeiten. Alleinauch unter solchen Umständen durchbricht die Tugend mit ihremStrahlenglanze solches trübe Gewölk, sobald ein Mensch viele undgroße Unglücksfälle mit edler Gelassenheit erträgtnicht aus Un-empfindlichkeit, sondern weil er ein edelherziger und großgesinnterMann ist.
13. Wenn aber wirklich, wie wir das oben ausgesprochenHabens die Thätigkeiten das wesentliche und bestimmende Momentdes Lebens sind, so kann wohl auch kein Glückseliger jemals un-glücklich werden, weil ein solcher nie undzukeinerZeitirgendetwasHassenswertes und Schlechtes thun wird. Denn wir find der An-sicht, daß der wahrhaft Gute und Verständige der ist, der alle Zu-fälligkeiten des Lebens mit edler Haltung erträgt und immer unterden gegebenen Umständen das beste thun wird, gerade so wie wirmeinen, daß auch ein guter Feldherr mit dem Heere, das er ebenkommandiert, die möglichst besten Kriegserfolge erzielen und einguter Schuster aus dem Leder, das ihm eben zu Gebote gestellt wird,den besten Schuh machen wird, und so weiter durch den ganzen Bereichder Künste. — 14. Ist dem also, so wird der Glückselige zwar nie-mals elend werden können, aber allerdings auch nicht ein vollkommenglücklich zu preisender sein, wenn er etwa in Pria mische Schicksalegerät. Und doch ist er offenbar auch nicht bald dies bald das,bald glücklich bald unglücklich, denn einmal wird das Glück seinesinnern Friedens nicht leicht zu erschüttern sein, und jedenfalls wirddies nicht durch die ersten besten Widerwärtigkeiten bewirkt werden.
8. Bgl. Aristoteles, Politik, VII, Kap. 12, § 2 und 4.ö. S. oben Z 9.