Erstes Buch. Zehntes Kapitel.
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wir diese Frage bejahen müßten, so erhöbe sich wieder die zweiterob denn dann auch wirklich einMensch noch glückseligseinkönne, so-bald er gestorben ist? Oder ob dies nicht durchaus eine Ungereimt-heit sei, zumal für uns, die wir die Glückseligkeit eine Thätigkeitnennen? — 3. Wenn wir aber den Gestorbenen nicht glückselignennen und wenn auch Solon dies nicht sagen will, sondern nurdies, daß einer nur dann und insoweit einen Menschen mit Sicher-heit glücklich preisen dürfe, wenn und insoweit derselbe sich bereitsaußer demBereiche der menschlichen Übel undUnglücksfälle befinde,,so hat auch dieser Satz noch in gewisser Weise seine Bedenken.Denn man nimmt ja an, daß es auch für den Verstorbenen nochein Übel und ein Gutes gebe, so gewiß es auch für einen Menschen,der zwar lebt, aber augenblicklich keine Empfindung hat, dergleichengibt, wie z. B. Ehren und Unehren und Glück oder Unglück seinerKinder und überhaupt seiner Nachkommen. — 4. Aber eine weitereSchwierigkeit ist folgende: Es können einem Menschen, der bis insein Alter hinein glücklich gelebt und ebenso sein Leben beschlossenhat, vielfache Wandlungen passieren in bezug auf seine Nach-kommen, es können möglicherweise die einen gute Menschen seinund ihnen ein Lebensschicksal zu teil werden, wie sie es verdienen,während bei den anderen das umgekehrte der Fall ist. Und dazuliegt es am Tage, daß hier der weitere oder kürzere Zeitabstandder Nachkommen von den Eltern die verschiedenartigsten Modifi-kationen Hervorbringen kann. Nun wäre es doch offenbarungereimt,wenn der Verstorbene alle diese Wandlungen mitzumachen hätteund bald glückselig, bald wieder unglücklich würde. — 5. Unge-reimt aber wäre es andererseits auch wieder, wenn man behauptenwollte, daß schlechterdings zwischen den Eltern und ihren Nach-kommen gar kein Bezug der Schicksale der letzteren auf die ersteren,auch nicht in der allernächsten Zeit, stattfinde.
6. Gehen wir jedoch noch einmal auf die erste schmierigeFrage zurück, weil vielleicht aus ihrer richtigen Beantwortung sichzugleich die vorliegende erledigt.
7. Ist es wirklich so, daß man „auf das Ende sehen" mußund auch dann erst einen Menschen glücklich preisen darf, nicht als