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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Aristoteles, Nikomcichische Ethik.

den Bürgern gewisse Beschaffenheit zu verleihen und sie zu gutenund zur Ausübung edler und guter Thaten geschickten Menschen zumachen. 9. Mit Fug und Recht also nennen wir weder Rindnoch Roß noch sonst irgend ein anderes lebendes Geschöpf glück-selig, weil kein solches an einer solchen Thütigkeit teil zu nehmenim stände ist. 10. Aus eben demselben Grunde kommt aberauch das Prädikatglückselig" einem Kinde nicht zu, denn esistebenwegen seines Alters noch nicht im stände, solcherlei Thütigkeit zuüben; und wenn man es so nennt, so thut man dies, weil man vonihm die Hoffnung hegt. ^ Es gehört nämlich, wie ich bereits obensagte b, dazu eine Tugend, welche ihre Vollendung, und ein Leben,das sein Ziel erreicht hat. 11. Denn zahlreich sind die Wand-lungen und mannigfach die Schicksale, die sich im Laufe des mensch-lichen Lebens ereignen, und es kann geschehen, daß der, welcheram meisten dem Glücke im Schoße sitzt, noch in seinem Alter indas größte Unglück gerät, wie die Tro'ischen Lieder? vom Pri'amoserzählen. Einen Menschen aber, der solche Schicksale erfährt undzu guter letzt noch unglücklich endet, preist niemand glückselig.

Zehntes Kapitel.

1. Hier entsteht nun die Frage: ob man also überhaupt keinenB-kk. Menschen glückselig preisen dürfe so lange er lebt, sondern nachSo'lons Spruche? auf das Ende sehen müsse. 2. Allein wenn

5. Nämlich die Hoffnung, daß das Kind später, wenn es erwachsenist, solche Thütigkeit im Guten und Schönen üben werde. .In diesemSinne sagt denn auch Cicero (Lei Se'rvius zu Virgi'ls Äne'is VI,877): Lausa ckiküeilis sst, lanckars pusruva, non enim lauclanckarss, seä spss ssl.

6. Vgl. oben Kap. 7, § 15.

7. So lese ich mit der Laurentia'nischen Handschrift.

I. Über diesen von Herodo't (I, 32) berichteten Solonischen Aus-spruch, der durch die griechischen Tragiker vielfach hindnrchklingt, vgl. dieAusleger zu Sophokles, König Ö'dipus, gegen Ende; Trachi'nierinnen,V. l; Zosua Barnes zu Euri'pides, Andro'mache, V 100, u. a.m. Wirwerden weiterhin sehen, wie nach Aristoteles' Ansicht Solon die BegriffeGlückseligkeit" undGlück" in diesem Ausspruche verwechselte.