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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Erstes Buch. Neuntes Kapitel.

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kann. Denn in diesem Falle * ist es möglich, daß alle, die nichtetwa von Natur völlig verwahrlost sind, durch Unterricht und Be-mühung dazu gelangen können. 5. Und wenn es besser ist, aufdiese Art, als durch Zufall glückselig zu werden, so ist es auchwahrscheinlich, daß sich die Sache so verhält, wenn anders derSatz fest steht, daß alle natürlichen Dinge von Natur so beschaffensind, wie es am besten ist, daß sie beschaffen seien. 6. Ebenso(wie mit den von der bewußtlosen Natur hervorgebrachten Dingen)ist es nun auch mit den von der Kunst und überhaupt von einerbewußten Ursache hervorgebrachten, und im höchsten Grade, wenndiese hervorbringende Ursache selbst die beste ist. Dahingegenwäre es doch eine äußerste Sorglosigkeit, das Höchste und Schönstedem Zufall anheimzustellen.

7. Es geht dies auch schon aus unserer Definition hervor.Denn es ist oben^ gesagt, daß die Glückseligkeit in einer gewissenbestimmten ihrer Tugend gemäßen Thätigkeit der Seele bestehe.Was aber die zu ihr gehörigen andern guten Dingen betrifft, soist ihr Vorhandensein teils nothwendig gefördert, teils sind sieihrer Natur nach in der Weise von Werkzeugen Hilfsmittel undFörderungsmittel. ^

8. Diese ganze Ansicht von der Glückseligkeit dürfte auch imEinklänge stehen mit demjenigen, was zu Anfänge dieser Unter-suchungen gesagt worden ist. Wir stellten nämlicki dort^ den Satzauf: der Zweck der Wissenschaft vom Staate sei der höchste und beste,diese Wissenschaft aber richtet vor allen Dingen ihre Absicht darauf.

1. D. h. wenn sie durch Unterricht oder Übung erworben werden

kann. Aristoteles steht hier im direktesten Gegensätze gegen Platon,welcher theologisch-dogmatisch, wie unsere heutigen Theologen einer gewissenRichtung, die Glückseligkeit, das höchste Gut, alsgöttliches Gnaden-geschenk" faßte. Vgl. Platon, Me'no, S. 93 74 Stephanus (S.374 Bekker). Dergöttliche Ratschluß", diegöttliche Schickung undFügung" (§ 1: Sel» ist ausdrucksvoll genug und Aristoteles' feine

Ironie nicht zu verkennen.

2. S. oben Kap. 7, § 14.

3. S. oben Kap. 8, §§ 15 17.

4. S. oben Kap. 2, ZK 5 ff.