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Aristoteles, Nikomachische Ethik.
Achtes Kapitel.
Kap. 1. Somit müssen wir also bei der Untersuchung über unserBeik. Prinzip nicht nur auf dem Wege der Schlüsse und der begriffs-mäßigen Entwickelung zuWerkc gehen, sondern auch die über das-selbe im menschlichenLeben vorhandenen Ansichten berücksichtigen.Denn alles wirklich Vorhandene^ stimmt mit der Wahrheit zu-sammen, während mit dem Falschen das Wahre sich sofort in Dis-harmonie zeigt.
2. Da nun gemeinhin die Güter dreifach eingeteilt werdenund danach teils Güter der äußeren Umstände, teils körperliche,teils geistige heißen, so nennen wir zunächst die geistigen die vor-züglichsten und bezeichnen sie vorzugsweise als Güter. Nun setzenwir aber die geistigen Handlungen und Thätigkeiten in das Gebietder Seele. Mithin ist es ganz zutreffend, gemäß dieser alten undauch von den Philosophen zugestandenen Ansicht die Glückseligkeitein seelisches Gut zu nennen. — 3. Eben so richtig ist es aber auch,wenn gesagt wird, derEndzweck bestehe ingewissenHandlungenundThätigkeiten, denn auf diese Weise wird er zu einem Gute, welchesein geistiges und kein äußerliches ist. — 4. Mit dieser begrifflichen
1. Uber die Glückseligkeit und das Gute.
2. D. h. „in der Sache Enthaltene, wie es durch die Erscheinungaufgefaßt wird" (rä ü-ap-/ovr«). S. Biese II, 261. — Hierher gehört,was der Rumäne vr. T. L. Naiorescu in seinem Buche: „Einiges Philo-sophische" (Berlin 1861s S. 138 bemerkt: „Alles, was wird, hat seinenGrund, so zu werden wie es wird; eS steht im Kausalnexus; eS ist dieWirkung einer Ursache eS ist umschlungen von dem Lebensbande des Grundesund der Folgen. Dieses Lebensbaud so weit als möglich zu erkennen, istdas Ziel der Wissenschaft. Sie muß von der Folge Schlüsse ziehen ausden Grund, denn sie soll uns die Dinge folgerichtig erschließen und er-gründen, sie soll uns die Vernunft der Dinge zeigen. Weil nun wirklichalles seinen Grund hat, hat eben auch alles seine Vernunft so zu sein,wie es ist; und von diesem Standpunkte aus leuchtet der häufig mißverstandeneSatz Hegels klar und wahr uns entgegen: Was wirklich ist, ist vernünftig."— Aristoteles hat diesen Satz zweitausend Jahre früher ausgesprochen.