Erstes Buch. Sechstes Kapitel.
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5. Überhaupt aber könnte man billig fragen, was sie (Platonund die Platoniker) denn eigentlich mit ihrer absoluten Idee sagenwollen? Denn es steht doch thatsächlich fest, daßvondem „Menschenan sich"^ und von dem Menschen als Einzelwesen der Begriff ein-undderselbe ist, nämlich der Begriff des Menschen. Denn insofernder eine wie der andere eben Mensch ist, so kann auch die Ideedes Guten nicht von dem Guten, insofern das eine wie das anderegut ist, verschieden sein. — 6. Ja, man kann dreist sagen, daß dasGute, selbst nicht dadurch, daß es ein ewig und immer währendesist, in höherem Grade gut sein kann, so gewiß es ist, daß etwasdarum, weil es seine Farbe lange behält, weißer ist als das, wasnur einen Tag über weiß ist. — 7. Da haben denn doch, scheintes, die Pythagore'er mehr für sich, wenn sie in ihrer Lehre vomGuten das Eins in der Reihe der verschiedenen Güter aufzählen,und wie bekannt folgt ihnen hierin nach der allgemeinen Ansichtauch Speusi'ppos. ^
8. Doch hiervon ein andermal! Was jedoch das Gesagte be-trifft, so scheint sich ein Einwand zu erheben, der darauf beruht, daßdie Platonische Jdeeenlehre ja nicht von jedem Gut eine Idee setze,sondern einen Unterschied mache zwischen den Gütern, die an undfür sich erstrebt werden, die er daher unter einen Begriff fasse, undzwischen den anderen Gütern, die nur Mittel zur Hervorbringungoder zur Erhaltung jener oder zur Abwehr des ihnen Entgegen-gesetzten sind und nur aus diesem und somit in verschiedener Art undWeise gut genannt werden. — 9. Es ist also offenbar, daß er ohneZweifel den Begriff dessen, was gut ist, in zwiefacherBedeutungfaßt ,
4. D. h. von der Platonischen Idee des Menschen. S. Biese I, S. 433.
5. Vgl. Biese I, 433; II, 257; Schwegler zur AristotelischenMetaphysik, T. IV, S. 360. Die Pythagoreer, sagt Aristoteles, welchein der Reihe ihrer zehn Doppelbegriffe auf der einen Seite die Prinzipiendes Guten setzten, stellten dieses somit nicht als ein Abstraktes dar, sondernwie es sich in bestimmten Besonderheiten zu erkennen gibt. Biese. ÜberSpeusippos, Platons Nachfolger, siehe meine Anmerkung zur Rheto'rikIII, 10, K 7, Anmerkung 18.