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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Aristoteles, Nikomachische Ethik.

suchten Begriff. Denn nach der allgemeinen Annahme ist die Ehremehr in den Ehrenden als in dem, welcher geehrt wird, enthalten,wir aber ahnen bereits, daß das absolute Gut etwas dem MenschenEigentümliches, von ihm nicht zu Trennendes sein muß. 5. Dazukommt ferner, daß die Menschen nach Ehre darum zu strebenscheinen, weilsiebeisichgerndieÜberzeugungverstärken möchten, daßsie wackere Leute seien. Jedenfalls ist es ihr Streben, von Einsich-tigen geehrt zu werden und von solchen, welchen sie bekannt sind,und wegen wirklichen Verdienstes und wirklicher Tüchtigkeit. ^Daraus geht also hervor, daß in den Augen dieser Klasse von Men-schen die Tugend noch über der Ehre steht. Und so könnte es dennleicht geschehen, daß einer diese vielmehr als den Endzweck des poli-tischen Lebens auffaßte. 0. Allein auch sie scheint hierfür nochnicht vollendet genug, insofern es als möglich gilt, daß jemand, derinnere Tüchtigkeit zum Guten besitzt, sein Leben verschläft oder inUnthätigkeit zubringt, wozu noch kommt, daß einsolcher großesUn-glück haben und die schlimmsten Widerwärtigkeiten erleiden mag.Ich begnüge mich indes hierüber mit diesen Andeutungen, denn esist in den enky'klischen Borträgen ^ über diesen Gegenstand hin-reichend gesprochen.

7. Die dritte Lebensweise ist die beschauliche, worüber wir inden späteren Vorträgen die untersuchende Betrachtung anstellenwer-den. 8. Was dagegen die auf den Gelderwerb gerichtete Lebens-weise anlangt, so ist dieselbe so zu sagen eine unnatürlich gewaltsame

4. MitVerdienst" undTüchtigkeit" habe ich hier das griechische«gern umschrieben. Dieses Wort (das durch unserTugend" allerdingsrichtig übersetzt sein würde, wenn wir bloß auf die Abstammung taugenund tüchtig zu sehen hätten) bezeichnet in der philosophischen AuSdrucks-weise der Griechen das Vollkommene in jeder Eigenschaft des Men-schen, sowohl die physische als die sittliche Vollkommenheit, ja nicht nurdes Menschen, sondern auch der Dinge. Tugend («ger^v) hat einWesen, wenn es seine Bestimmung, seinen Zweck erfüllt.Der vollen-dete Zustand, dessen irgend ein Ding fähig ist, wird im weiteren Sinnedie ,Tugend' (--gerij) desselben genannt." Siehe Aristoteles, EndemischeEthik, II, Kap. 1; Biese II, S. 39.

5. Über dieses Zitat vgl. man meine Aristotelia II, S. 278, undI. L. Jdeler zu Aristoteles' Meteorologie, Leipzig 1834 ff., II, S. 363.