Erstes Buch. Fünftes Kapitel.
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mie denn die große und vorzugsweise in roherArbeitsichbewegendeMasse beides in das sinnliche Vergnügen setzt, und deshalb geben sieauch der genießenden Lebensart den Vorzug. Der hauptsäch-lichstenLebensarten gibt es nämlich drei: die soeben genannte, fernerdie politische und drittens die beschauliche.^
3. Was nun die große Masse anlangt, so erscheint sie mitihrem Vorzüge, den sie einem Leben gibt, wie es das Vieh auf derWeide führt, durchaus von sklavischer Sinnesart, doch kann sie einenEntschuldigungsgrund darin finden, wenn sie sieht, wie viele unterdenHochgestellten und Reichen mit Sardanapa'l sympathisieren?—4. Die gebildeten und auf praktische Thätigkeit gerichteten Menschendagegen setzen die Glückseligkeit in die Ehre, die ja auch in herThat meist der Zweck des politischen Lebens ist. Allein diese Be-stimmung scheint doch zu oberflächlich zu sein für den von uns ge-
2. Im Texte heißt sie „die theoretische", wovon unser „beschaulich"— wenn man von diesem Worte die ihm anklebcude christlich-religiöse,mönchische Färbung abstreicht — die wörtlich zutreffende Übersetzung ist.Dieses theoretische, betrachtende Leben ist das des Philosophen, wieschon Pytha'goras es in der Antwort aussprach, welche er dem griechischenDynasten Le'on nach Ci'cero's (Tuskula'nen V, 3) reizender Erzählungauf die Frage gab: was er eigentlich treibe? Auch Goethe meintdieses Leben, wenn er von sich sagt:
„Weltverwirrung zu betrachten,
Herzensirrung zu beachten,
Dazu war der Freund berufen —".
Auf seiner höchsten Stufe, in der reinen spekulativen Betrachtung derDinge der Welt durch das Denken, ist dieses Leben die vollkommensteGlückseligkeit. S. Ethik X, 7; Biese I, 549—550.
3. Vielleicht ein verstellter Hieb auf Alexanders und vieler seinerüberreich gewordenen Kreaturen Hang zu sinnlichen Genüssen und Aus-schweifungen; eine Anspielung, die man in Athen nur allzugut verstand.Dergleichen war nicht ohne Einfluß auf die Trübung des Verhältnisseszwischen Aristoteles und seinem früheren Zöglinge. S. meine AristoteliaI, S. 130; 135—136. Es war in dieser Stimmung, daß Aristotelesjene bedeutungsvolle Worte in der To'pik (III, 1, K 7; S. 116 s. 38Bekker) schrieb: „Daß unsere Freunde tugendhaft und gerecht sind, wünschenwir auch in solchen Fällen, wo wir selbst nichts davon haben, ja wärensie selbst in Indien." — Über Aristoteles' Verspottung der bekanntenGrabschrist Sardanapals s. Aristotelia II, S. 162, und Hubmannin Jahns Jahrbüchern 1834, III, 1, S. 126-130.