Druckschrift 
6 (1891) Große Ethik [u.a.] Metaphysik
Entstehung
Seite
110
Einzelbild herunterladen
 

110

Natur aber wird am besten erhalten in den ihr angemessenenOrten, wohin sie ursprünglich gehört. Es ist nemlich wohl zuunterscheiden zwischen der Materie, aus welcher die Thiere be-stehen, und den Eigenschaften und Zuständen dieser Materie.Z. B.: wenn die Natur etwas bildet aus Wachs, so wird sie esnicht wohl dadurch erhalten, daß sie es in's Warme setzt, eben-sowenig bei Gebilden aus Eis; denn es wurde hier schnell zuGrunde gehen wegen des Gegensatzes; die Wärme schmelzt ja das,was aus dem Entgegengesetzten besteht. Oder wenn etwas bestehtaus Salz oder Natron, so setzt es die Natur nicht erst in's feuchteElement, denn das, was aus Warmem und Trockenem besteht,wird zerstört durch das Feuchte. Wenn nun die Materie beiallen Körpern aus dem Feuchten und Trockenen besteht, so wirdvernünftigerweise anzunehmen sein, daß das aus Feuchtem undKaltem Bestehende im Feuchten ist, daß das, was kalt ist, imKalten, das, was aus Trockenem besteht, im Trockenen sein wird.Deßhalb wachsen die Bäume nicht im Wasser, sondern auf demLand. Und doch müßte man nach obiger Behauptung sie in'sWasser verweisen, weil sie sehr trocken sind, wie Empedokles mitdem sehr Warmen thut; denn nicht wegen der Kälte ist es indas Wasser gekommen, sondern wegen der Feuchtigkeit. DieNatur der Materie nun hat immer dieselbe Beschaffenheit, wieder Ort, an welchem sie zu Haus ist: die Materie, die im Wasserist, ist feucht, die auf dem Land trocken, die in der Lust warm.Dagegen die Zustände, welche zu viel Wärme enthalten, muß manin's Kalte, die, welche zu viel Kälte enthalten, in's Warme setzen,um sic zu erhalten; denn der Ort bringt das in dem Zustandliegende Ucbermaß wieder in's rechte Gleichmaß. Ans diesenPunkt also muß man besonders achten bei den jeder Materiecigenthümlichen Orten und lleim Wechsel der allgemeinen Jahres-zeiten; denn die Zustände können zwar dem Aufenthaltsort ent-gegengesetzt sein, unmöglich aber die Natur selbst. Soviel dar-über, daß nicht in der Wärme der Natur der Grund liegt,warum die. einen Thiere im Wasser, die andern auf dem Landleben, wie Empedokles meint, und über die Ursache davon, daßdie einen Thiere eine Lunge haben, die andern nicht.