Druckschrift 
6 (1891) Große Ethik [u.a.] Metaphysik
Entstehung
Seite
52
Einzelbild herunterladen
 

52

Sinne, für welche weder eine Notwendigkeit noch eine Möglich-lichkeit irgendwelcher gleichzeitigen Thätigkeit besteht, nothwendigzu gleicher Zeit unthätig und unbeweglich sein sollten, im Gegen-theil, man sollte vielmehr erwarten, daß sie nicht zu gleicher Zeitruhig sein könnten. Dagegen ist die von uns eben angegebeneAuffassung dieser Sache ganz vernunftgemäß: wenn nemlich dasSinnesorgan, welches über allen andern steht und auf welchesdie andern alle Hinzielen, in einen gewissen Zustand gerathen ist,so müssen nothwendig auch alle andern Sinne diesen Zustandtheilcn, dagegen ist es nicht nothwendig, daß ein Unvermögeneines einzelnen Sinnes ein Unvermögen jenes obersten Organeszur Folge habe. Es ist aber vielfach Gelegenheit sich zu über-zeugen, daß der Schlaf nicht in der Unthätigkeit und in demNichtgebrauch der Sinne besteht, noch in dem Unvermögen zurWahrnehmung. Denn ein solcher Zustand tritt ja auch ein beider Bewußtlosigkeit, bei Ohnmächten; die Ohnmacht ist ja nichtsanderes als ein Unvermögen der Sinne. Auch gehören hiehergewisse Zustände der Geistesverwirrung. Ferner tritt ein Aus-hören der Sinnesthätigkeit ein, wenn man die Adern am Halszusammenpreßt. Allein das Unvermögen des Gebrauchs beruhtweder auf dem nächsten besten Sinn, noch aus einer zufälligenUrsache, sondern, wie eben gesagt, es hat seinen Sitz in dem Ur-Organ, welches über allen einzelnen Sinnen steht; denn wenndieses letztere unvermögend geworden ist, so muß nothwendig auchbei den einzelnen Sinnen allein ein Unvermögen der Wahrneh-mung eintreten, nicht aber findet eine notwendige Wirkung inumgekehrter Weise statt. Wir müssen nun aber auch sprechenvon der Ursache, auf welcher das Schlafen beruht und von dernäheren Beschaffenheit dieses Zustandes. Nun sind mehrere Artenvon Ursache zu unterscheiden, sofern wir unter Ursache verstehendas Warum oder den Zweck, sodann das Woher des Anfangsder Bewegung, drittens die Materie, viertens den Begriff; dawir nun bei der Natur das Erste, nemlich einen Zweck des Han-delns annehmen, dieser Zweck aber etwas Gutes ist, da fernerdie Ruhe jedem Wesen, welches sich bewegen kann, zukommt, einAusruhen, welches nothwendig und heilsam ist, wenn doch eine