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6 (1891) Große Ethik [u.a.] Metaphysik
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jene, dann findet keine Erinnerung statt. Die Bewegung derZeit aber ist eine zweifache: bisweilen nemlich erinnert man sichnicht, wo es um eine bestimmte Zeit sich handelt, z. B. das;man vorgestern das und das gethan hat, bisweilen erinnert mansich ganz bestimmt; man kann sich aber auch in unbestimmterWeise erinnern. Da pflegt man zu sagen, man erinnere sichzwar, könne jedoch nicht sagen, wann das und das geschehen sei,wenn man also eben die Quantität der Zeitentfernung nicht be-stimmt kennt. Schon oben ist bemerkt worden, daß Fähigkeitder Erinnerung und Fähigkeit der Wiedcrerinnernng nicht iden-tisch sind. Vom Sich-eriunern unterscheidet sich das Sich-wieder-crinnern nicht bloß hinsichtlich der Zeit, sondern auch insofern,als die Erinnerung auch vielen andern Thieren zukommt, dieWiedererinnerung aber eigentlich keinem der bekannten Thiere außerdem Menschen. Der Grund liegt darin, daß die Wiedererinne-rung eine Art Schluß ist, denn daß man früher etwas gesehenoder gehört oder einen Eindruck gehabt hat, das bringt der sichwieder Erinnernde durch Schließen heraus und so ist dieß eineArt von Nachforschung. Die Fähigkeit hiezu kommt eben vonNatur nur den Thieren zu, welchen die Fähigkeit der Ueberlegungzukommt, denn auch das Ueberlegen ist eine Art von Schluß-folgerung. Daß die hiebei stattfindende Affektion etwas Kör-perliches ist und daß die Wiedererinnerung das Aufsuchen einerin einem Körperlichen haftenden Vorstellung ist, ergibt sich dar-aus, daß Manche eine Unruhe verspüren, wenn sie sich nicht wie-der erinnern können, und daß Manche sich wieder erinnern, wennsie auch noch so sehr das Nachdenken hemmen und keinen Ver-such mehr machen; das letztere ist ganz besonders der Fall beiden Melancholischen, denn diese werden von Vorstellungen ammeisten bewegt. Die Ursache, warum das Sich-wiedererinnernnicht in der Macht des Subjekts ist, liegt darin, daß gleich-wie beim Werfen der Werfende nicht mehr die Macht hat, demWurf Stillstand zu gebieten, so der sich wieder Erinnernde undAufspürende etwas Körperliches in Bewegung setzt, in welchemdie Affektion haftet. Ganz besonders empfinden Diejenigen Un-ruhe, bei welchen eine Feuchtigkeit in der Gegend des Wahrneh-