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6 (1891) Große Ethik [u.a.] Metaphysik
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wenn man aber Wissen und Wahrnehmung hat ohne die aktuelleAusübung, dannerinnert man sich" z. B. daran, daß die Win-kel des Dreiecks gleich zwei Rechten sind, theils weil man es ge-lernt oder studirt, theils weil mau cs gehört oder gesehen hatu. s. f.; denn immer wenn auf Grund der Erinnerung Thätig-keit, Aktualität stattfindet, dann lautet es in der Seele so, daßman vorher dieß gehört oder wahrgenommen oder gedacht habe.So ist also die Erinnerung weder eine Wahrnehmung noch eineVermuthuug, sondern ein Zustand, eine Affektion von dergleichennach Verfluß einiger Zeit. Das Jetzt aber im Jetzt ist nichtGegenstand der Erinnerung, wie schon oben bemerkt worden ist,sondern das Gegenwärtige ist Gegenstand der Wahrnehmung,das Zukünftige ist Gegenstand der Erwartung, das Vergangeneaber ist Gegenstand der Erinnerung. Deßhalb ist jede Erinne-rung mit zeitlichem Fortschritt verbunden. Also haben bloß die-jenigen Geschöpfe Erinnerung, welche die Zeit wahrnehmen, unddas Organ der Erinnerung ist eben das, wodurch sie die Zeitwahruehmen. Von der Vorstellungskraft haben wir in denUntersuchungen über die Seele gesprochen, Denken kann man nichtohne Vorstellung: es tritt nemlich beim Denken dieselbe Erfah-rung ein, wie beim Zeichnen mathematischer Figuren: hier ist csso, daß man, ohne eine bestimmte Größe des Dreiecks nöthig zuhaben, doch ein Dreieck von bestimmter Größe zeichnet; ebenso,der Denkende stellt sich, auch wenn er nicht die Größe als solchedenkt, doch ein Quantitatives vor Augen, nur denkt er es nichtals solches. Handelt es sich aber um das Wesen des Quanti-tativen nur unbestimmt, so stellt man sich ein quantitativ Be-stimmtes vor, denkt es aber nur, sofern cs ein Quantitatives über-haupt ist. Jus welchem Grund es aber nicht möglich ist, etwaszn denken ohne das Zusammenhängende, sowie das nicht in derZeit Seiende ohne Zeit, das ist eine andere Frage. Größe aberund Bewegung muß mau nothwendig durch das Organ erkennen,wodurch man auch die Zeit erkennt, und die Vorstellung ist eineBestimmtheit der allgemeinen Wahrnehmung. Daher ist es klar,daß durch das ursprüngliche, erste (Ur-)Wahrnehmungs-Organdie Kenntniß dieser Dinge vermittelt wird. Die Erinnerung aber,