Also wird die Gottheit sich selbst betrachten. Dicß ist aberwidersinnig. Wir machen ja auch einem Menschen Stumpfsinnzum Vorwurf, wenn er nur sich selbst beschaut. Also wäre esWidersinnig, wenn man die Gottheit zu einem Wesen machenwollte, welches sich selbst betrachtet. Doch, was dann die Gott-heit betrachten soll, wollen wir dahingestellt sein lassen. Wennwir hier uns mit der Selbstgenügsamkeit beschäftigen, so meinenwir nicht die göttliche Selbstgenügsamkeit, sondern die menschlicheund hier ist die Frage, ob der sich selbst Genügende der Freund-schaft bedarf oder nicht? Wir nehmen an, es betrachtet jemandWesen und Art des Freundes, sofern dieser ein zweites Ich dar-stcllt; (sofern man nemlich Freund im strengen Sinn versteht,wie es gewöhnlich heißt: „der ist ein zweiter Herakles, der istein zweites Ich";) nun ist es aber sehr schwierig, sich selbst zuerkennen, wie das auch manche Weise schon bemerkt haben, soangenehm es auch ist, denn angenehm ist ja die Selbsterkennt-niß: also sind wir nicht im Stand, uns aus uns selbst zu er-kennen. Daß wir aber hiezu nicht im Stand sind, uns selbstzu erkennen aus uns selbst, können wir daraus sehen, daß wirAndern dieß zum Vorwurf machen, während wir selbst, ohne eszu wissen, es gerade so machen. Daran ist die Sympathie oderdie erregte Stimmung schuld, dieß ist sehr häufig ein Hindernißdes richtigen Urtheils. Wie wir nun in den Spiegel sehen,wenn wir unser eigenes Antlitz sehen möchten, so werden wirauch, wenn wir uns selbst erkennen wollen, den Freund anschauenund diesen erkennen. Der Freund ist ja, wie es heißt, einzweites Ich. Wenn es nun angenehm ist, sich selbst zu kennen,dieß aber nicht zu erreichen ist ohne einen Freund, so wird dersich selbst Genügende eines Freundes bedürfen, um sich selbst zuerkennen. Und überdies), wenn es doch etwas schönes ist, (undcs ist gewiß so,) Gutes zu erweisen, wenn man im Besitz vonGlücksgütern ist, wem soll man denn Gutes erweisen? und mitwem soll man Zusammenleben? allein wird man doch nicht seinLeben zubringen wollen. Das Zusammenleben mit Andern istja doch angenehm und uothwendig. Ist also alles dieß schön,angenehm und nothwendig und ohne Freundschaft nicht zu
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