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6 (1891) Große Ethik [u.a.] Metaphysik
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weder aus Unwissenheit, indem sie der Ansicht sind, daß siekeinen schlechten Gebrauch davon machen werden, oder weil sieeinen Ehrgeiz haben, eine hohe Stellung zu besitzen. Keinesvon beiden ist der Fall bei dem Tugendhaften, daher ist er auchnicht selbstsüchtig, soweit es sich wenigstens um Güter handelt,wie die eben genannten; wenn er je selbstsüchtig ist, so ist eres im Guten. Dieß, das sittlich Gute, ist das einzige, woraufer nicht zu Gunsten von Andern verzichtet. Dagegen aus dasNützliche und Angenehme macht er keinen Anspruch. So wirder also selbstsüchtig sein in der Wahl des sittlich Guten, dagegenwo es sich um das Ergreifen des Nützlichen und Angenehmenhandelt, ist nicht der Tugendhafte selbstsüchtig, sondern derSchlechte.

Vierzehntes Kapitel.

Von der Selbstliebe.

Eine weitere Frage ist, ob der Tugendhafte sich selbst ammeisten lieben wird oder nicht? In gewisser Beziehung wirdman diese Frage bejahen können, in andrer Beziehung verneinen.Da nemlich, wie oben bemerkt wurde, der Tugendhafte auf dasGute im Sinn des Nützlichen verzichten wird zu Gunsten desFreundes, so wird er den Freund mehr lieben als sich selbst;allein wenn er auch auf das Nützliche verzichtet, so will er dochdas sittlich Gute für sich haben und in diesem Sinn leistet erauf das Gute nicht Verzicht. Also in der einen Beziehung wirder den Freund mehr lieben als sich selbst, in der andern aberliebt er sich selbst am meisten. Das elftere gilt, wo es sich umdas Nützliche handelt, handelt es sich aber um das sittlich Gute,so liebt er sich selbst am meisten. Denn dieses Sittlichgute, dasBeste, was es gibt, nimmt er für sich selbst in Anspruch. So-mit ist er eigentlich nicht von Selbstliebe erfüllt, sondern vonLiebe zum Guten. Wenn er nemlich sich selbst liebt, so thuter es, weil er selber gut ist, wahrend der Schlechte von Selbst-liebe beherrscht wird. Denn dieser hat nichts an sich, weßhalber sich selbst mit Rücksicht auf das sittlich Gute lieben sollte,