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M»ig als bei einem andern Punkt dieser Art. Man muß nem-lich vor allem festhalten, daß die Einmüthigkeit nicht auf dasIntellektuelle sich bezieht, sondern auf das Praktische; und auchhier besteht sie nicht darin, daß Mehrere die gleiche Ansicht haben,sondern darin, daß sie, neben der Gleichheit der Ansichten, inBeziehung auf das, worauf ihre Ansichten gerichtet sind, diegleichen Vorsätze haben. Wenn z. B. zwei Menschen in Be-ziehung auf's Herrschen die Ansicht haben, daß jeder die Herr-schaft für sich haben will, so ist damit offenbar keine Einmüthig-keit gegeben; diese ist erst dann vorhanden, wenn sowohl ich alsauch der Andere mir allein die Herrschaft zuwenden wollen. Soliegt also die Einmüthigkeit auf dem praktischen Gebiet und sieschließt Gleichheit des Wollens in sich. Wo es sich also umAufstellung eines Herrschers handelt, da hat die Einmüthigkeit,als eine praktische Eigenschaft, das Gleiche zum Ziel, sofern man»emlich Einmüthigkeit im eigentlichen Sinn versteht.
Dreizehntes Kapitel.
Freundschaft und Selbstsucht.
Es gibt also, wie gesagt, eine Freundschaft des Menschenmit sich selbst und daran schließt sich nun die Frage, ob derTugendhafte selbstsüchtig sein kann oder nicht? Selbstsüchtig istderjenige, welcher um seiner selbst willen alles thut, wobei essich um den Vortheil handelt. Der Schlechte wird demnachselbstsüchtig sein. Dieser thut nemlich alles um seiner selbstMen. Anders der Tugendhafte, dessen Wesen ja eben darinbesteht, daß er alles um eines Andern willen thut. Daher istder Tugendhafte nicht selbstsüchtig. Indessen haben doch Alleeinen Trieb auf das Gute und meinen, dieses müsse gerade ihnenzu Theil werden. Dieß zeigt sich besonders deutlich, wo es sichum Reichthum und hohe Stellung handelt. In Beziehung ausdiese nun wird der Tugendhafte den Andern das Feld räumen,nicht als ob solches ihm nicht gerade in erster Linie zukäme,sondern weil er oft sieht, daß ein Anderer einen besseren Gebrauchdavon machen kann. Die Andern werden dieß nicht thun ent-