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Freundschaftsverhältniß, wo ein Unterschied zwischen Hoch undNieder in Beziehung auf die Stellung stattfindet. Diese aufUngleichheit beruhende Freundschaft ist nach dem Verhältnis; zubestimmen. Niemand wird ja, wenn es sich um Austheilungeines Gutes handelt, dem Besseren ebensoviel geben wie demSchlechteren, sondern man gibt immer dem Vorzüglicheren mehr;das ist die Gleichheit, welche durch das Verhältniß bestimmt ist.Denn wenn der Schlechtere ein geringeres Gut hat, der Bessereein größeres, so ist ja damit die Gleichheit nicht aufgehoben.
Zwölftes Kapitel.
lieber besondere Arten der Freundschaft.
Unter allen den Arten der Freundschaft, welche wir aufge-zählt haben, ist keine, bei welcher das Lieben in höherem Gradsich fände, als bei derjenigen, welche auf Geschlechtsgcmeinschaftberuht, und hier ist wieder besonders das Verhältniß des Vaterszum Sohn hervorzuheben. Es läßt sich die Frage anfwerfcn,wie es kommt, daß der Vater den Sohn mehr liebt, als derSohn den Vater? Ist der Grund darin zu suchen, — wasvon Manchen behauptet wird und zwar in einer für die großeMenge ganz plausibel« Weise — daß der Vater dem Sohnirgend welche Wohlthaten erwiesen hat, während der Sohn Dankschuldig ist für diese Wohlthaten? Mit einer solchen Begründungwerden wir offenbar zu der auf dem Nutzen beruhenden Freund-schaft geführt. Wie es sich übrigens nach den Wahrnehmungendes täglichen Lebens bei den Wissenschaften verhält, so ist eswohl auch hier. Ich meine nemlich: es gibt gewisse Handlungen,bei welchen Ziel und Thätigkeit zusammenfallen und wo dasZiel eben in der Thätigkeit selber besteht; z. B. für den Flöten-spieler ist die Thätigkeit unmittelbar auch das Ziel, sofern dasSpiel auf der Flöte für ihn sowohl Ziel als Thätigkeit ist;anders dagegen ist es bei der Baukunst, wo das Ziel von derThätigkeit zu unterscheiden ist. Nun ist die Freundschaft eineThätigkeit, sie hat aber kein anderes Ziel als das Lieben, unddie Thätigkeit des Liebens ist eben ihr Ziel. Der Vater nun